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Afrika. — Allgemeine Uebersicht.
Heinrich der Seefahrer.
auf allen arabischen Karten des Mittelalters wiederholt. BeiEdrisi (um 1150) erstreckt sich diese Ostrichtung der Küsteüber den äussersten Ostpunkt von Asien hinaus. Sie verläuftparallel zu der gleichfalls als geradlinig streichend gedachtenSüdküste von Asien. Auffallend richtig ist auf Edrisi’s Erd-ansicht der Ursprung des Nils angegeben; es sind drei Seen,welche insgesammt südlich vom Aequator lieg'en; die beidensüdlichen Seen sind durch Quellflüsse mit dem dritten, nörd-lichen, verbunden.
Ganz aussergewohnliche Erfolge hatte ein anderer arabi-scher Geograph zu verzeichnen, Erfolge, wie sie seitdem eineinzelner Reisender nicht wieder errungen hat. Es ist dies der Maure IbnBatuta, der innerhalb 30 Jahre (1324 bis 1354) die Welt von einem Endezum anderen, von der Strasse von Gibraltar bis China, vom Kiptschaken-reich an der Wolga bis Timbuktu am Niger durchstreifte. Die Entfer-nungen, welche Ibn Batuta in drei Welttheilen zurücklegte, sind bis aufden Tag von keinem zweiten Reisenden bewältigt worden.
In Bezug auf die entlegenen Küsten von Afrika war die Eorschungs-arbeit arabischer Reisender gering. Auch die Europäer leisteten durchlange Zeitläufe nichts. Selbst die Portugiesen beschilften nur die nord-westlichen Küsten des Continents. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhundertswaren die genuesischen Brüder Vivaldi in den Atlantischen Ocean hin-ausgesteuert, mit der Absicht, Afrika zu umschiffen. Sie kamen aber nichtweit. Eine ähnliche Episode bildet die Abenteuerfahrt des normannischenRitters Jean de Bethencourt, der 1404 eine Expedition nach den Cana-rischen Inseln unternahm. wSchon zwei Jahre vorher hatten portugiesischeSchiffer auf Anregung des Prinzen Heinrich — genannt „der Seefahrer” —das Cap Bojador (südlich des Cap Nun, der Südwestecke von Marokko)umschifft. Portugiesische Geschwader erschienen nun bald im Golfe vonGuinea und 1445 gelangte Aloiso de Cadamosto bis zum Aequator. Dienächste Errungenschaft war die Entdeckung der Congomündung imJahre 1484 durch Diego Cam (oder Cao).
Seitdem bildete die Umschiffung Afrikas das wichtigste Problem, welches die Schifffahrt zulösen hatte. Im Jahre i486 gelangte Bartholomäus Diaz bis zum „Cap der Stürme”, welchenNamen König Johann II. von Portugal in Anwartschaft einer glücklichen Lösung des Problems —der directen Schifffahrt nach Ostindien — in den Namen „Vorgebirge der guten Hoffnung” um-wandelte. Wer diese Hoffnung zur That machte, war Yasco da Gama. Am 10. November 1497 um-segelte er die Südspitze von Afrika, drang in den folgenden drei Monaten bis zur Strasse von Mosam-bique vor und warf endlich am 20. Mai 1498, zehn Monate nach der Abfahrt von Lissabon, an derWestküste von "Vorderindien, in der Bai von Calicut, Anker. — In den ersten Jahren des 16. Jahrhundertsbegründeten Almeida und Albuquerque die portugiesische Macht in Ostafrika und Indien (1505).
Die Entdeckung des Seeweges nach Ostindien hatte zur Folge, dass durch Jahrhunderte dieAufmerksamkeit von Afrika nach jener reichen Region der „Gewürzländer” abgelenkt wurde. Jahr-hunderte lang stand die Erforschung Afrikas stille. Erst das 19. Jahrhundert, welches durch dieimmer reichlicher sich entwickelnden Mittel des Culturlebens und auf Grund der sich entfaltendenmateriellen Interessen die fremden Erdtheile seinen Zwecken sich dienstbar machte, erschloss nachund nach das Innere des dunklen Erdtheils. Bald durchzogen Reisende — vorerst nur englische —Afrika von Norden her, ihren Spuren folgten andere; das Problem der „Nilquellen” führte kühne
Forscher in bisher unbekannte Regionen und binnen wenigen Jahren ward der ganze Küstensaumvon Afrika die Basis, von der aus ununterbrochen Entdecker auf Entdecker in unerforschte Räumevordrangen. Wahrhaft grossartig sind einzelne dieser Leistungen, und heute ist der Continent imGrossen und Ganzen fast gänzlich durchforscht. Nur einige Gebiete des Congobeckens und derLänder zwischen dem Coflgo und dem mittleren .Sudan harren noch der Aufhellung.
Lage und Grösse. Der Erdtheil Afrika breitet sich am südwestlichenRande der östlichen Halbkugel aus und liegt zum grössten Theile nördlichdes Aequators. Fast vier Fünftel des Continents gehören der heissen Zone,der Rest der gemässigten Zone an. Die charakteristische geometrischeGestalt des Erdtheils besteht aus einem trapezförmigen nördlichen Theil,an welchen sich ein gleichschenkeliges, an der Spitze abgestutztes Dreiecksüdlich anschliesst. — Die natürlichen Eckpfeiler von Afrika sind im Nordendas Cap Blanco (37° 20' Nordbreite), im Süden das Nadelcap oder CapAgulhas (34° 51' Südbreite), im Westen das Cap Verde oder „Grüne Vor-gebirge” (17 0 35' Westlänge von Gr.), und im Osten das Cap Guardafui(5U14' Ostlänge von Gr.). Die grösste lineare Ausdehnung des Continentsvon Norden nach Süden misst ungefähr 8100 Kilometer, von Westen nachOsten 7500 Kilometer.
Der Flächeninhalt von Afrika umfasst 29,197.311 Quadratkilometer,der der Inseln 625.942 Quadratkilometer, das gesammte afrikanische Gebietalso 29,823.253 Quadratkilometer.
Küstenumrisse.
Die marine Beg*renzung des Continents ist eine auffallend einförmige.Ausser dem weit nach Osten vorspringenden halbinselartigen Somalilandeweist Afrika keine grösseren peninsularen Landbildungen auf. Das Hoch-land von Barka kann kaum als Halbinsel gelten. Desgleichen hat Afrikawenig grosse Einbuchtungen: im Mittelmeer die Grosse Syrte [und dieKleine Syrte, im Indischen Ocean den Golf von Aden (richtiger Golfvon Berbera), im Atlantischen Ocean den grossen Guineagolf mit denbeiden Golfen von Biafra und Benin.
Von Suez ab erstreckt sich die Küste in einer Länge von 2250 Kilo-meter südöstlich bis zur Strasse Bab el Mandeb („Thor derThränen”). Sie ist fast durchwegs steil und klippig und schliesstmit der gegenüberliegenden, in gleicher Richtung streichendenKüste von Arabien das Rothe Meer ein.
Von Bab el Mandeb verläuft die Küstenlinie in östlicherRichtung, 750 Kilometer weit, bis zum Cap Guardafui. Auchhier schliesst sie mit der g*egenüberliegenden Küste von Arabienein Meeresbecken, den Golf von Aden, ein. — Die Küstenlinieam Indischen Ocean misst ungefähr 6000 Kilometer. Sie istnördlich des Aequators hafenarm und steil, südlich desselbenzumeist flach und stellenweise sumpfig. Die grössten Einbuch-
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Yasco da Gama. (Facsimile. Aller Kupferstich.)