Afrika. — Allgemeine Uebersicht.
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tungen sind jene von Zanzibar und Sofala und dieDelagoabai. Südlich der letzteren wird die Küste wiedersteil und zeigen sich viele Einbuchtungen, unter welchenjene von Port Natal die grösste und wichtigste ist. Gegendas Nadelcap hin breitet sich die gefährliche Nadelbankaus, hinter welcher, wie überhaupt im ganzen Bereicheder Südspitze des Continents, sich viele Buchten und Baienöffnen. An der äussersten Südwestspitze öffnet sich diefalsche Bai, welche durch eine 54 Kilometer lange Halb-insel vom Atlantischen Ocean getrennt ist.
Die Südspitze dieser Halbinsel bietet das Cap derg'uten Hoffnung (in 34 0 22' Südbreite), welches ungefährV2 Breitengrad (54 Kilometer) nördlicher als das Nadelcapliegt. — Die atlantische Uferstrecke beginnt mit der Tafel-bai, an welcher Capstadt liegt und erstreckt sich zunächstflach und hafenlos 2250 Kilometer weit bis zum CapNegro(in 16 0 Südbreite). Von hier bis zum Aequator ist dieKüste theils flach, theils felsig. Weiter folgt, bis zurWendung' der Küste nach Westen, noch Steilufer; iminnersten Winkel des Guineagolfes steht das mächtigeKam erungebirge.
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D’Urb an (Port Natal).
Die Küstenumrandung des Guineagolfes ist besonders dadurch inter-essant, dass an ihr die Mündungen grosser Ströme sich öffnen. Auf der Ostseite ist esder Ogowe, auf der Nordseite der Niger. Beide Ströme bilden ungeheure Deltas.
Nördlich der Ogowemiindung befindet sich das grosse Aestuarium des Gabun, denman lange Zeit für einen grossen Strom anzusehen geneigt war und dessen Quellenman weit ins Innere verlegte. Der Fluss ist aber unbedeutend, das Aestuarium des-selben jedoch 67 Kilometer lang und 3 bis 18 Kilometer breit. Die Küste zwischenGabun und Ogowe ist vorwiegend flach; aber hinter ihr erheben sich landeinwärtsParallelketten, welche der Ogowe durchbrochen hat. Der Ogowe, obwohl nur 850 Kilo-meter lang, ist in seinem Unterlaufe ein gewaltiger Strom, der zur Schwellzeit etwa50.000 Kubikmeter Wasser in der Secunde dem Ocean zuführt. Er fällt mit einemvielarmigen und breiten Delta bei Cap Lopez (zwischen o° 30' und l° 30'Südbreite)in den Ocean. Zur Trockenzeit sind diese Mündungsarme auf schmale, wenig tiefeWasserrinnen zusammengeschrumpft; zur Schwellzeit hingegen ist der Hauptstrom vorseiner Verzweigung 2500 Meter breit und 7 bis 20 Meter tief.
Das Delta des Niger bedeckt, bei einer Küstenentwickelung von 320 Kilo-meter und einer Länge von 130. Kilometer, eine Fläche von ungefähr 24.200 Quadrat-kilometer. Seiner Configuration nach ist es von jenem des Nil (der Congo hat keineigentliches Delta) dadurch verschieden, dass die einzelnen Hauptmündungsarme sichnicht schon von der Wurzel des Deltas aus entwickeln, sondern einfach nur die Aus-gänge der vielfach verschlungenen Verzweigungen des eigentlichen Hauptarmes —des Rio Nun — sind. Der äusserste Saum des Deltas ist durch ein Netz von Alt-wässern und Seitenwässern in ein Sumpfland verwandelt, das von dichten Mangrove-waldungen bedeckt ist, deren Stelzenwurzeln den eigentlichen Küstensaum bilden. —
Von West nach Osten finden wir nachfolgende „Passagen”, welche theilweise alsselbständige Flüsse bezeichnet werden: Rio Benin, der nur im Unterlaufe mit demDelta des Niger in Verbindung steht; Rio Forcados, Rio Dodo, Rio Nun (die eigent-liche Nigermündung), Brass River, Rio San Nicolas, Rio Santa Barbara, Rio SanBartolomeo, Rio Sombrero, Neu-Calabarfluss und Bonnyfluss. Das Volumen desWassers, welches der Strom in der Secunde dem Meere zuführt, lässt sich annäherungs-weise auf etwa 30.000 Kubikmeter schätzen. Welche Unmassen von festen Bestand-teilen im Delta abgelagert sind und fortgesetzt abgelagert werden, lässt sich daraus ermessen, dassdie Schlammmassen in demselben io bis 15 Meter Mächtigkeit besitzen. Ein Blick auf die Kartegenügt, um zu zeigen, auf welche grosse Entfernung seewärts der Niger Land angesetzt hat.
Vom Nigerdelta — an dessen Ostseite der Golf von Biafra, an dessenWestseite der Golf von Benin sich erstreckt — verläuft die Küste un-gefähr 1900 Kilometer weit in westlicher Richtung bis zum Cap Palmas,durchwegs flachufrig, mit Lagunen, hinter niedrigen Dünen und Barrenvor den Flussmündung'en. Bei Cap Palmas beginnt die Nordwestrichtungder Küstenlinie, welche bis zum Grünen Vorgebirge — 1500 Kilometerweit — anhält. Hier wechseln Einbuchtungen mit vorgelagerten Inseln unddie Mündungsbuchten einiger Flüsse mit flachen Zwischenstrecken. BeimCap Verde endlich, wo die nördliche Richtung beginnt, wird die Küsteöde und sandig', zum Theile auch steilufrig. Untiefen und heftige Brandungmachen diese Strecke der Schifffahrt besonders gefährlich. Sie ist von derMündung des Senegal bis zu den Küstenhöhen des marokkanischen Atlas— 1870 Kilometer weit — hafenlos. Vom Cap Nun bis zum Cap Spartel,der Nordwestecke des Continents, 800 Kilometer weit, ist die Küste zwargleichfalls öde und steil, doch finden sich hier allenthalben Häfen vor.
Eine kurze Strecke östlich des Cap Spartel beginnt die Nordküstedes Continents mit dem Uferrande der 15 Kilometer breiten Strasse vonGibraltar, welche Afrika von Europa trennt. Sie wird auf afrikanischerSeite von einer 60 Kilometer langen Uferstrecke (bis Ceuta) begleitet. —Der weitere Verlauf der Küste ist ein genau östlicher bis zum Cap Bon inTunesien, 1500 Kilometer lang. Sie ist allenthalben steil und ohne eigent-liche Häfen, obwohl an Einbuchtungen in den schroffen Uferhöhen keinMang'el ist.
Beim Cap Bon fällt die Küste genau nach Süden ab und streichthierauf wieder nach Osten, wo das in das Mittelmeer vortretende felsigeHochland von Barka eine kurze Nordrichtung der Uferlinie bedingt. Andiesem Küstenabschnitte erstrecken sich die beiden Syrten, die KleineSyrte (Golf von Gabes) im Westen, die Grosse Syrte (Golf von Sydra)im Osten. Die Ufer des Syrtenmeeres sind flach und sandig, die Streckevon Barka abgerechnet, wo das Hochland dicht ans Meer herantritt. DieEntfernung* vom Cap Bon bis Benghasi an der Grossen Syrte misst in der
Luftlinie 900 Kilometer. Weiter nach Osten dacht sich die Steil-küste allmählich ab und geht schliesslich in das Flachufer vonAegypten über, das zum grössten Theile vom Deltalande desNil eingenommen wird.
Der Nil, dessen Stromentwickelung auf circa 6300 Kilometer berechnet wird,theilt sich eine kurze Strecke unterhalb von Kairo in zwei Mündungsarme, in denwestlichen oder Mündungsarm von Rosette, und in den östlichen oder Mün-dungsarm von Damiette. Das war nicht immer so; in alter Zeit gab es siebenMündungsarme: die kanopische, bolbinitische, sebennytische, phatnitische, mendesische,tanitische und pelusische. Die Mündungsstellen sind zwar noch alle vorhanden, dochstellen sie nichts Anderes als in die Küstendünen eingerissene Einlassthore dar, durchwelche das Meer mit den weitläufigen Strandseen hinter jenen Dünen communicirt.Die Strandseen selbst werden von zahlreichen, von den beiden Deltaarmen ausgehendenWasserläufen gespeist und zwischen diesen letzteren breitet sich wieder ein eng-maschiges Netz von Canälen aus, welche ausschliesslich der Bewässerung des Cultur-bodens im Nildelta dienen.
Theils genügt nämlich der höchste Wasserstand des Nil nicht, um alles Landunter Wasser zu setzen, theils ist die Hitze so bedeutend, dass selbst der vom Hoch-wasser durchtränkte und von neuem Nilschlamm überlagerte Boden in verhältniss-mässig..kurzer Zeit trocknet, tiefe und breite Sprünge erhält und in mürbe Schollenauseinanderfällt. Die Nilschwelle tritt jährlich mit grosser Regelmässigkeit ein, dochnicht immer bis zu der gleichen Höhe. Der Niveauunterschied zwischen dem höchstenund niedrigsten Wasserstand beträgt im Delta 7V2 bis 7 Meter. Ueberschreitet dieNilschwelle das Maximum von 7V2 Meter, so kann die Ueberschwemmung verhängniss-voll werden; bleibt sie hinter demselben zurück, so sind Missernten unausbleiblich.Es ist nämlich nur der abgelagerte Nilschlamm, welcher die Bodencultur überhauptmöglich macht.
Im Nigerdelta.
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