Afrika. — Allgemeine Uebersicht.
361
östlich von beiden das Berg-land Tib es ti. Zwischen diesenErhebungsmassen breiten sicheine Anzahl von Plateaux vongeringerer Erhebung, welchewieder durch höher ansteigendeRücken von einander getrenntsind.
Seiner geologischen Formation nachzeigt das Saharagebiet vorwiegend Sand-steinhocbfläcben, über welche sich Ur-gesteingebirge (hauptsächlich Granit undGneis, auch Porphyr) erheben und zwischendenen Becken mit festem Thonbodenliegen. Die Kreideformation tritt amganzen Nordrande der Sahara auf, be-sonders am Südrande des Atlas und aufdem ganzen Raume zwischen Tafilet undder Küste von Tripolitanien.
Nachtigal und Duveyrier waren ge-neigt, in den Erhebungsmassivs vulcanischeBildungen zu erblicken, doch bleibt dieAngelegenheit vorläufig noch unerledigt. Die Yerwitterungsproducte der Sandstein-flächen bilden 7 den gefürchteten Flugsand, welcher in manchen Abschnitten derSahara in ungeheuren Mengen vorhanden ist. Auf ihn hat man die Hypothese be-gründet, dass die Sahara vor Zeiten ein Binnenmeer gewesen und jene Sandmassender Rückstand der abgelaufenen Gewässer seien. Auch die Existenz von zahlreichenSalzsümpfen am nördlichen Rande der Sahara wurde für diese Theorie verwerthet.In anderer Weise trat der schweizerische Gelehrte Desor für dieselbe ein, indemer glaubte, annehmen zu dürfen, das Saharameer sei voreinst der grosse Regulatordes Klimas von Süd- und Mitteleuropa gewesen, mit welcher Annahme der genannteGelehrte die Eiszeit in den Alpen mit der einstigen Wasserbedeckung der Saharain Verbindung brachte.
Die Theorie von ' der einstigen Wasserbedeckung der Sahara hat ihre ent-schiedenen Gegner gefunden und gewiss mit Recht, wenn man das Vorhandenseinvon versteinerten Wäldern in den libyschen Oasen, das Auftreten von Krokodilen imHerzen der Sahara und andere auffällige Thatsachen in Betracht zieht. Man hat sichdeshalb mit der Ansicht abgefunden, dass die ausgedehnte Wüstenbildung mit klima-tischen Veränderungen zusammenhängt, womit nicht gesagt sein will, dass nichtwenigstens ein Theil des ganzen Gebietes ausgedehnte Binnengewässer bildete. Vonder Libyschen Wüste ist dies fast erwiesen auf Grund der dort gefundenen marinenAblagerungen. Zum Theil mag auch künstliche Entwaldung als ein Factor derWüstenbildung (wie im Karste) in Betracht gezogen werden.
Hinsichtlich der Formen der Wüste hat Desor — einerder gründlichsten Saharakenner — die Eintheilung in Plateau-wüste, Auswaschungswüste und Dünenwüste aufgestellt.Diese drei Typen sind übrigens trotz ihrer Verschiedenheit nachForm und Aussehen, gleichwohl in Bezug auf Ursprung undZusammenhang eng miteinander verbunden. Der Boden ist ebenüberall derselbe, jedoch auf verschiedene Weise geformt undmodellirt. Die Plateauwüste ist die ursprüngliche Form und sienimmt drei Viertel des ganzen Saharagebietes ein; sie weist imAllgemeinen ebene Flächen auf, welche nicht ganz unfruchtbarsind. Im Sommer durch die Sonnenhitze verbrannt, bedeckensie sich nach den ersten Winterregen mit frischgrüner Vege-tation. Man nennt diese Plateaux „Hammada” oder „Serir”.
Die „Auswaschungswüste” (Sebcha, Djüf, Schott) istdurch eine Reihe von Erosionserscheinungen gekennzeichnet,thälerartigen Terrainsenkungen, welche nur Wirkungen desWassers sein können. — Die dritte Form der Wüste ist dieDünenwüste(Erg oderAreg), welche Desordie „populärste Form”der Wüste nennt. Sieist diejenige, welche dasGemüth am schaurig-sten ergreift, da sichhier zur Unfruchtbarkeitdes Bodens noch dieUnstetigkeit desselben,und die Gefahr für diepersönliche Sicherheitgesellen. Die Höhe derDünen schwankt zwi-schen 2 und 200 Meter.
Trotz ihrer Unbeweg-lichkeit reissen sie den-noch zur Bewunderunghin durch die Schönheitihrer Linien. Die Um-risse der Dünen könnenwechseln, aber ihreMasse und Lage sindbeständig und in diesemPunkte unterscheidensie sich wesentlich von
den Dünen am Meeresstrande.Man hat sich übrigens dieUeberzeugung verschafft, dassder Düne eine natürliche Boden-erhebung als Kern dient. ImAllg-emeinen zeigt der Bodender Dünenregion eine dunkleSteinfläche — das ursprünglicheSandsteingerüst — welches dieSandwogen vor langen Zeit-läufen zugedeckt haben. Wieintensiv die Verwitterung andiesen scheinbar festen Massenvor sich geht, ersieht mandaraus, dass solche blossgelegteFlächen sofort zerbröckeln,wenn man darüber schreitet.Man begreift daher, dass eskeines aussergewöhnlichen me-chanischen Effectes bedarf, umdie feste Oberfläche des Sandsteins in Flugsand zu verwandeln.
Was in einer Dünenlandscfiaft besonders deprimirt, ist der fortwährende Wechselvon scheinbar winzigen Sandanhäufungen und ungeheuren Wellenbergen. Auf eineReihe niedriger Dünen folgt eine solche von förmlichen Bergzügen, an welche wiederkleine Wellenlinien anschliessen. Das Schauerliche und Ueberwältigende eines solchenWüstenbildes kennzeichnet sich in den übertriebenen Schilderungen mancher Reisenderhinsichtlich der Höhe solcher Dünen. Man hat von Sandwogen von 1000 Meter Höhegesprochen, was eine arge Uebertreibung ist. Bei der Höhe der Dünen kommt esfreilich auch auf die Unterlage an, über welche sich die Sandwelle erhebt. Wenn derKamm einer solchen Düne bis 400 Meter aufragt, kann man mit Sicherheit an-nehmen, dass die Hälfte dieser Höhe auf Rechnung des unter dem Flugsande be-grabenen Kernes (des Felsbodens) zu setzen kommt.
Der schauerlichste Abschnitt der Dünenwüste ist die Libysche Wüste. Es istein geheimnissvoller, ungeheurer trockener Ocean — Baher be la mä, d. i. „Meer ohneWasser” von den Einheimischen genannt—; nur wenige Reisende haben ihn gesehen,ein einziger betreten — Gerhard Rohlfs. Dieses Sandmeer stellt sich in seinen Detail-formen als ein erstarrtes Wellenchaos dar, als eine ununterbrochene Reihe von baldniedrigen, bald höheren Dünen, die gegen die Windseite flach verlaufen, an der ent-gegengesetzten Seite aber steil und unersteiglich abstürzen. Nur wo in den Wellen-kämmen Einschnitte sich vorfinden, können Karawanen passiren, doch auch dies nurin dem Falle, wenn der Wind in den Spalten keine lockeren Sandmassen angewelithat. Furchtbarer Art ist das Schauspiel, wenn der gefürchtete und gefahrbringendeSamum in den ungeheuren Einöden wüthet. Dann verschwimmen alle Umrisslinienund das ganze Landschaftsbild ist in förmlicher Bewegung wie ein sturmgepeitschtesMeer. Ist der Sturm vorüber, so erscheint die Gegend meist ganz verändert; neueDünen sind aufgestaut, andere verschwunden; Einschnitte sind verschüttet, danebenandere ähnliche Scharten, deren Existenz vordem nicht zu errathen war, freigelegt.
Dieselben Vorgänge — wenn auch in geringerem Maasse — finden auch inder westlichen Dünenwüste des Saharagebietes statt. Trotz der Umgestaltungen derLandschaft finden die Karawanenführer mit bewunderungswürdigem Scharfsinn in diesemWirrsal sich zurecht und errathen den Ausweg, wo ein solcher für unmöglich er-scheinen möchte. Die Formen der Dünen allein geben diesen Wegkundigen die An-haltspunkte, ob die Karawane den Durchgang finden wird oder nicht. Die Orientirungmuss daher auf jedem Marsche von neuem gesucht werden, denn Anhaltspunkteirgend welcher Art für die einzuschlagende Route giebt es nicht. Die beliebte An-schauung von den „bleichenden Kameelgerippen, welche den Wüstenweg bezeichnen”,ist für den grössten Theil der Sahara leere Phrase. Ein solches Gerippe wird schonbeim nächsten leisen Windeswehen der Kern eines neuen Sandhügels und ist sonachverschwunden. Fussstapfen, und wären sie selbst von Hunderten von Kameelen imSande zurückgelassen worden, sind schon in den nächsten Stunden verweht. Waseine solche wochenlange Wanderung durch die ungeheure Dünenregion heissen will,kann man sich unschwer vorstellen.
Wir haben weiteroben erwähnt, dass ein-zelne Theile des Sahara-gebietes neben ihrerplateauförmigen Gestaltauch noch durch grösse-re Berg- und Gebirgs-gruppen ausgezeichnetsind. Das vorzüglichstedieser localen Massener-hebungen ist das Ahag-garplateau im Berg-lande der Targi. Wirhaben hier, fast im Her-zen der Sahara, ein mäch-tiges Gebirgsmassiv voruns, das sich aus einerReihe von stufenförmiganeinanderschliessen-den Terrassen zusam-mensetzt, über welcheBergspitzen bis über2500 Meter aufragen.Nach den Erkundigun-gen des französischenForschers und Reisen-
Wadi Isauän am Nordrande des Tasili.
msi
wm
In der marokkanischen Sahara.
lÄSiBSlllSäiJ!
9i