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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Afrika. — Allgemeine Uebersicht.

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Während der Regenzeit in Centralafrika.

und Bäumen bedeckt. An den Küstenfelsen zeigt sich die Zwerg-palme. An Culturpflanzen sind vorhanden: Baumwolle, Kork-eiche, Gummibaum, und als besonders wichtig das zur Papier-fabrikation verwendete Haifagras. In den Wäldern findensich Nadelhölzer, Eichen, Ulmen, Kastanien, Pistacien, Pappeln,Weiden, wilde Oel- und Johannisbrotbäume. Einev wichtigeCulturpflanze in der sogenannten „Kabylie” ist der Feigenbaum.

Wie erwähnt, ist die Cultur des Haifagrases (Stipa tenacissima) von grosserwirthschaftlicher Bedeutung für Algerien und die Dünenregion des Saharagebietes.Sein eigentliches Verbreitungsgebiet sind die Steppen und Schottplateaux von Algerienund die südlichen Abdachungen der letzteren bis zur Nordgrenze der Dünenregion.Auf den leicht gewellten Ebenen, in allen Wadis und in allen Thalebenen spriesst,so weit das Auge reicht, das schilfartig in die Höhe starrende Haifa, einem wogen-den, gelbgrauen Meere gleich, wenn der Wind leicht darüber hinwegstreicht. Wirkönnen uns in eine Prairie versetzt glauben, denn unabsehbar reiht sich auf kleinenErdhöckern ein Büschel an das andere (das Haifa bildet nie eine einheitliche, gleich-mässige Grasfläche).

Nächst Algerien zeigt das Hochland von Barka im öst-lichen Tripolitanien den ausgeprägtesten Charakter des medi-terranen Florengebietes. Dieses Land ist wie im Alterthumenoch immer ein Garten. Blumenwiesen, von Myrtengebüsch um-geben, wechseln mit Berghängen, auf welchen die weisse Rosein unglaublicher Fülle wuchert. Dazu gesellen sich Rosmarin,Lorbeer und Oleander, von Bäumen die immergrüne Eiche,die Thuja, die Cypresse und der Johannisbrotbaum. Im Früh-linge betäubt der Duft von Veilchen undGeranien. Man glaubt sich in einen südeuro-päischen Ziergarten versetzt. — Aehnlichist es mit der Oase Siuah (Jupiter Ammon)bestellt. Hier treten Oelbaum und Feigen-baum in dichten Hainen auf und bilden Apri-kosen- und Granatbäume herrliche Gärten.

In Aegypten tritt die Baum- undStrauchflora zurück, da dieses Gebiet vor-wiegend ein Agriculturland ist. Im Hinblickeauf die natürliche und künstliche Bewässe-rung unterscheidet man zweierlei Cultur-boden; der erstere giebt nur eine Ernte,der letztere drei Ernten; dort baut manhauptsächlich Getreide (Weizen, Gerste),hier Reis, Baumwolle, Mais, Zucker,

Indigo, Krapp, Pfeffer, Sesam u. s. w. Inden Gärten giebt es eine köstliche Füllevon Melonen und Gurken. Dazu gesellen sichTabak und Hanf, Mohn, Safran, in Ober-ägypten die „Mohrenhirse” oder Dürr ah.

Obstgattungen sind: Feigen, Orangen, Ba-nanen und Weintrauben. Selbstverständlichfehlt auch die Dattelpalme nicht, der Nährbaumim ganzen Bereiche des islamitischen Afrika.

2. Das Saharage-biet. Es umfasst Nord-afrika bis zum 26. u Nord-breite, ausgenommendas Atlasgebiet und dasHochland von Barka,sowie Unterägypten. Esist ein ausgedehntesWüstengebiet, das nurdurch Wassermangel,nicht auch durch schrof-fen Wechsel von Hitzeund Kälte die Vegeta-tion einengt. Die letz-tere ist mit ihrer Baum-armuth und Dürre eineechte Steppenvegeta-tion. Die Dattelpalmeist hier heimisch. Zer-streut findet man einigeandere Bäume, wie Ta-marix und Akazien,dann blattarme Salz-pflanzen, Dornsträucher,haarige Artemisien undSalbei, starre Gräser.

Am pflanzenärmstensind die Hammadas undAregs, am pflanzenreich-sten ausser den halb-künstlichen Oasen dieWadis, aber ganz vege-tationslos sind doch nur beschränkte Strecken.

Die einzige Culturpflanze dieses Gebietes ist die Dattelpalme. Wahre „Palmen-länder” sind das südliche Tunisien und die Oase Fezzan im südlichen Tripoli-tanien, Die Besitzer von Gärten haben hier nur zu sorgen, dass der durch die Windein die Gärten hineingewehte Sand nach jeder Ernte wieder entfernt werde; im Laufeder Jahre entstehen auf diese Weise ganze Sandhügel, welche die Gärten gleichWällen umgeben, über welche nur die Wipfel der Palmen hervorragen. Um das Ab-rutschen und Fortgleiten dieser künstlichen Dünen zu verhindern, werden aus denPalmzweigen Zäune hergestellt, die von Jahr zu Jahr erhöht und verstärkt werdenmüssen. Die im Ued Suf gewonnenen Datteln (die Oase besitzt über 140.000 Stämme)gelten für die besten der algerischen Sahara. Durch Anlage von artesischen Brunnenwar es möglich, in der algerischen Oase des Ued Rihr über 600.000 Palmstämmezu ziehen.

Noch besser ist es ih Tripolitanien mit der Palmencultur bestellt. Palmenwäldervon der Ausdehnung und Dichtigkeit gleich jenen in der Oase Sebcha giebt es(nach Rohlfs) im ganzen Bereiche der Sahara nicht wieder. Den Fezzanern gilt dieOase Traghen für die eigentliche Heimat der Palme, weil hier die meisten undvorzüglichsten Arten Vorkommen.

Mit der Dattelpalme ist das Wohl und Wehe der Bevölkerung des Sahara-gebietes verknüpft. Keine wirthschaftliche Krisis vermöchte diese Länder tiefer undnachhaltiger zu erschüttern, als die Vernichtung des Dattelsegens. Auf dem lang-wierigen Wege des Karawanenverkehrs bringen die Händler Kunde vom Stande derErnte, und sie tragen die Botschaft von Oase zu Oase, von Rastort zu Rastort. DieErnte ist eine Speculation, bei der man ein Vermögen erwerben oder verlieren kann.Von dem Ertrage eines Palmengartens hängt die Mitgift bei Verheiratungen, die Erb-schaft bei Todesfällen ab.

Der Segen der Dattelpalme ist ein vielartiger; ihre Frucht liefert Nahrung inallen Formen, ihr Holz liefert das geschätzteste Baumaterial, ihr Stamm wird zuzierlichen Säulen bei Prunkarchitekturen, sei es als Modellzu steingebauten Trägern, sei es als wirklicher Baum. AusPalmmatten werden luftige Hütten erbaut, Palmmatten be-decken den Boden, bilden die Wohnabtheilungen und dieThürverschlüsse. Als Nahrungsmittel findet die Dattel dieverschiedenartigste Verwerthung. Man isst die Frucht mitReis vermengt, mit Milch zu einem dicken Brei verkocht,mit Butter geröstet, mit Honig übergossen, im getrocknetenoder frischen Zustande. Zu diesen „Speisen” kommen ver-schiedene Getränke, als: der herbe Dattelwein, der Dattel-essig und der Dattelschnaps. Die erfrischendste, nahrhaftesteSpeise ist die frische Dattel, „Er-Ruteb”. Doch dauert dieRutebzeit höchstens zwei Monate, so dass die Bewohner ge-zwungen sind, in der übrigen Zeit sich mit der getrock-neten Frucht und den vorerwähnten Speisen zu behelfen.

3. Das Sud an gebiet — richtiger dastropische Afrika. Es erstreckt sich vom20. 0 Nordbreite bis zum 20. 0 Südbreite, ein-schliesslich eines Striches an der Ostküstebis zum 30. 0 Südbreite. Charakteristisch fürdieses, durch starke Erhebung des Bodensund lange Dauer der Trockenzeit gekenn-zeichnete Gebiet ist die Vegetationsform derSavanne, die von hochwüchsigen Gräsernund Kräutern gebildet wird. Eine grosseEinförmigkeit herrscht über das ganze weiteGebiet dieser Flora, und ihre einzelnen

Haifagras (Stipa tenacissima).

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