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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Nordafrika.

I. Die Mittelmeerländer.

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reich ausgestatteter hufeisenförmiger Thorbogen an den Boden maurischenRunststils. Orangen- und Cypressengärten, Pinien und Palmen, Fontänen undungeheure Rosenbüsche verschönern die weitläufigen Palastanlagen. Die Stadtselbst ist eng und finster, die braungelben Mauern der Häuser fensterlos nachder Gasse, die Moscheen unansehnlich und von ekelhaften Bettlern umlagert.

— Fern im Südwesten von den beiden vorgenannten Städten liegt die Winter-residenz

Marrakesch (Marokko, 50.000 Einwohner), unweit des Grossen Atlas,dessen grüne Matten, dunkle Schluchten und beschneite Gipfel den südlichenGesichtskreis säumen. Marokko —> einst das „Damaskus des Westens” ge-nannt — giebt ein überraschendes Bild ab; die gewaltige Häusermasse liegtinmitten eines Waldes von Dattel- und Fächerpalmen, überragt von der Haupt-moschee, eingefasst von thurmreichen Aussenmauern mit hohen Thoren. ImInneren aber sind ganze Stadttheile im Verfall. Auch hier bilden die Raiser-paläste mit ihren Gärten eine eigene Stadt in besonderen Mauern. Un-mittelbar davor steht die Moschee, die sich nach Abd el Mumen (demgrossen Almoliaden) nennt (aus dem Ende des 12. Jahrhunderts) und be-rühmt ist durch die drei an einem Pfeil gefassten kolossalen Goldkugelnauf ihrer Ruppel.

Die anderen .Städte im Inneren sind belanglos. Dagegen sind einige derHafenstädte von Wichtigkeit, allen voran Tanger (20.000 Einwohner), amwestlichen Eingänge zur Strasse von Gibraltar gelegen, mit schlechter offenerRhede und einer eng aneinandergedrängten Häusermasse, welche vom „Rass’r”

(der Citadelle) überragt wird. In der Umgebung sind angenehme Gärten mitden Wohnungen der hier residirenden Vertreter der europäischen Grossmächte.

Als Handelsstadt nimmt Tanger den ersten Platz unter den Städten Marokkosein. — An der atlantischen Rüste liegen: Mogador (20.000 Einwohner), derHafenort für Marrakesch, erst 1760 in europäischer Weise regelmässig aufge-baut und sehr handelsthätig. — Sale, an der Mündung des Buregreb, mit ver-sandetem Hafen.— Rabbat, stark befestigt, mit dem Mausoleum des Helden Maure-taniens, Sultans Al Mansur. — Mazagan, mit Castell. — Safi, mit dem bestenHafen des Reiches, aber ohne Handel. — El Araisch (15.000 Einwohner), einfinsteres Felsennest, dessen uralte Wallmauern einen ins Meer vorspringenden Felsenumgürten. In der Nähe, am Rusflusse (dem Lixus der Alten), befinden sich Resteeiner römischen Stadt. — Oestlich von Ceuta, 7 Rilometer von der Mittelmeerküsteentfernt, liegt Tetuan (20.000 Einwohner), Ausgangspunkt einer stark frequentirtenHandelsstrasse nach dem Inneren. Die Stadt ist von alten, durch Thiirme verstärktenZinnenmauern umgeben und von einer Citadelle überragt.

2. Die französische Besitzung Algerien.

Lage und Grösse, Algerien nimmt den mittleren und öst-lichen Theil des Atlassystems ein und reicht südlich desselbenauf beträchtliche Entfernung in das Saharagebiet hinein. —Bezüglich des Flächeninhaltes; sowie der Bevölkerungszahlist zwischen den officiellen Angaben und der Machtgrenze desfranzösischen Einflusses zu unterscheiden; das von Frankreichbeanspruchte Gebiet bedeckt eine Fläche von 667.065 Quadrat-kilometer und reicht im Süden von Rhadames bis zum Tademayt-plateau und Tuat; es sind jedoch nur 524.000 Quadratkilometerin den Bereich der thatsächlichen Administration gezogen ;während der algerische Antheil an der grossen Sahara vonarabischen nnd berberischen Stämmen bewohnt wird, welchenur nominell die Oberhoheit Frankreichs anerkennen und Tributzahlen.

Bodengestalt etc. siehe S. 360.

Klima. Dasselbe nähert sich dem von Italien; Spanien unddem südlichen Frankreich. Der Winter ist durch Regen be-zeichnet; welche besonders im Spätherbst in ungeheuren Wasser-massen fallen. Schneefall ist selten und meist sehr unbedeutend.Im Juli beginnt die grosse Hitze und mit ihr die Trockenheit;gegen welche selbst der überaus reiche Nachtthau nichts ver-

E 1 Aruat (Laghuat).

Volkstypen aus Algier.

Maurische Dame. Der Raid (Rreisvorsteher) von Algier.

mag. Der algerische Sommer zeichnet sich durch aussergewöhn-lich lange Dauer und grosse Dürre aus.

Bewohner. Sie sind theils Araber ; theils Berber (hier„Kabylen” genannt); theils Mauren (eine Mischrasse der beidenErsteren). Näheres über diese Rassen siehe S. 371. — Die Ge-sammtzahl der Bewohner betrug 1886 3 ; 867.465 Seelen ; vonwelchen ungefähr 240.000 Franzosen; 120.000 Spanier; 35.000Italiener und 20.000 Anglo-Malteser; Schweizer undDeutsche (4300) sind. Die Zahl der naturalisirten Juden be-trägt 36.000.

Culturverhältnisse. Hinsichtlich der Naturproduction zerfälltAlgerien in drei Regionen: in das gebirgige; von fruchtbarenThälern durchzogene „Teil”; in die mittlere Steppenregion mitSalzsümpfen und Salzbecken (Schotts); und im Süden die Wüstemit Oasencomplexen. — Die wichtigsten Bodenproducte sind:Getreide; Tabak; Wein ; Obst; Korkholz und Haifagras. — DasThierreich liefert Rinder und Schafe; das Mineralreich be-sonders viel Eisenerze; ferner Kupfer ; Zink; Blei und Silber.

Die Industrie ist erst in der Entwickelung begriffen undbeschränkt sich gegenwärtig auf die Erzeugung von Leder-waaren (Maroquin); Teppichen; Mousselin- und Seidenzeugen.— Der Handel ist in fortwährendem Aufschwung begriffen.Von Eisenbahnen sind (1887) 2065 Kilometer; von Tele-graphenlinien (1883) 5858 Kilometer im Betrieb.

Verwaltung etc. An der Spitze der Verwaltung steht einCivil-Generalgouverneur ; in dessen Händen auch alle militärischenAngelegenheiten ruhen. Das Land ist in drei Provinzen ge-theilt; welche je ein „Militärterritorium” und ein „Civilterri-torium” bilden. Die Angelegenheiten der Eingeborenen werdenvon den „arabischen Bureaux” besorgt. — Die Streitkräfte ;welche Frankreich in Algerien unterhält; wechseln in Zahl undZusammensetzung je nach den Zuständen in der Colonie. ImJahre 1887 zählten die Besatzungstruppen 50.718 Mann.

Die drei Provinzen (Departements) Algeriens sind: Algier ;Oran und Constantine.

Algier (75.000 Einwohner) — französisch Alger ; spanischArgei; arabisch Al Dschesair — Hauptstadt und zugleicherster Kriegs- und Handelshafen der Colonie ; liegt an der West-seite eines halbmondförmigen herrlichen Golfes und am nörd-lichen Abhang des Sabel (402 Meter); der mit blühenden Ort-schaften; reizenden Villen und üppigen Gärten bedeckt ist. DieStadt bildet ein ziemlich gleichseitiges Dreieck; indem sie amMeere ihre breiteste Basis hat; dann ; immer schmäler werdend;an dem Hügel hinaufsteigt und auf der Höhe mit der Kasba(der alten Burg der Deis) endet. Algier besteht aus zwei sehrverschiedenen Theilen: einem europäischen und einem mauri-schen Quartier. Ersteres breitet sich am Meere aus ; hat breiteStrassen und elegante Gebäude ; letzteres klimmt die Höhe hinanund hat das Gepräge einer echt orientalischen Stadt. MehrereForts umgeben die Stadt und schützen den Hafen. Letztererist mit Docks und Bassins versehen und auf der Stadtseite voneinem grossartigen Quai abgeschlossen; zu dem Treppen undStrassen emporführen. Der Quai bildet den „Boulevard de laRepublique”; den Glanzpunkt der Stadt; eine prachtvolleTerrasse, welche in einer Länge von 2000 Meter und mit einemAufwand von circa 8 Millionen Francs in den Jahren 1860 bis1866 über Auftrag des Kaisers Napoleon von dem EngländerMorton Peto ausgeführt wurde.

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