A. Nordafrika. — I. Die Mittelmeerländer.
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das Reich vor Loslösung des Sudan eine Bodenfläche von 2,700.000 Quadrat-kilometer bedeckte.
Bodengestalt. Der grösste Theil von Aegypten ist Wüste. Culturbodensind nur der schmale Streifen des Nilthals und die Oasen in der LibyschenWüste. Den Nil begleiten bis in die Nähe von Kairo auf beiden Ufern niedrige,völlig nackte Gebirge, welche auf der Ostseite des Nil bis zum Rothen Meerereichen, strichweise von der Arabischen Wüste unterbrochen. Die höchsteErhebung erreichen diese Gebirge am Rothen Meere, das sie als Küsten-gebirge begleiten. Die nördlichsten Grenzmarken dieser Wüstengebirge sindder Dschebel Mokattam im Südosten von Kairo und der Dschebel Ataka(839 Meter) im Südwesten von Suez. (Ueber die Sinaihalbinsel siehe S. 231.)
Ausser dem Nil (siehe S. 364) hat Aegypten keinen Fluss aufzuweisen.Die Wüsten sind nur von Wadis, welche periodisch Wasser führen, durchrissen.Ohne den Nil wäre ganz Aegypten eine Wüste. Er befruchtet durch sein perio-disches Steigen das Thal, namentlich aber sein Deltagebiet (siehe S. 359), daseigentliche Culturland von Aegypten.
Das Klima Aegyptens ist im Allgemeinen gesünder als das andererheisser Länder, wozu gewiss nicht wenig die Nähe der Wüste beiträgt, derenstark salzhaltige Luft von günstigem Einflüsse ist. Unterägypten fällt noch indie Zone der Winterregen, während in Oberägypten Niederschläge zu dengrossen Seltenheiten gehören. Oberägypten hat so gut wie nur eine Jahres-zeit, nämlich einen heissen und trockenen Sommer, während in den mittlerenund nördlichen Theilen des Landes eine kühle und eine heisse Jahreszeit unter-schieden werden. In Alexandria beträgt die mittlere Temperatur des Januarii° C., in Kairo n*6° C. In Oberägypten ist die Temperatur im Winter durch-gängig um 2 0 C. wärmer als in Kairo. Die grösste Hitze ist im Delta 30 0 , inKairo gegen 40Der tiefste Stand der Temperatur ist im Delta -f- 2 0 C., inKairo —j— 5 0 C. Die Differenz zwischen der Tages- und Nachttemperatur beträgtoft 20 bis 30 0 C.
Bewohner. Ihre Zahl beträgt circa 6*8 Millionen. Fast dreiViertel der Gesammtbevölkerung bilden die Fellachen (arab.
Felläh, Mehrzahl Fellähü), d. i. „Pflüger” (Bauern). Sie sindNachkommen der alten Aegypter, wenngleich vielfach gemischtmit Einwanderern und Eroberern. Das einst herrschende Volkist jetzt das unterdrückte, eine arme, unter harter Arbeit undSteuerdruck fast erliegende Menschenclasse. — Neben den Fel-lachen treten unvermischte Reste der alten Bevölkerung — diesogenannten Kopten — auf, deren Anzahl circa 300.000 beträgt.
Sie sind monophysitische Christen. — Das dritte Bevölkerungs-element sind die Beduinen (el-bedawi), welche die WüstenMittel- und Unterägyptens durchstreifen und auf der HalbinselSinai hausen. Die gegen den ersten Katarakt hin auftretendenund weit nach Süden verbreiteten Ab ab de gehören zu demBedschastamme (vgl. S. 372). — Mit den eigentlichen Beduinengleicher Abstammung sind die sesshaften Araber (el-hadavi),welche das vorherrschende Element in den grossen Städtenbilden, gemeint. Ausserdem zählt man in Aegypten etwa 100.000Türken, dann „Levantiner”, Armenier, Zigeuner und einenbedeutenden Procentsatz von Europäern, etwa 90.000 Köpfe.
Culturverhältnisse. Oekonomieland befindet sich, wie bereitserwähnt, nur im Thale des Nil und in den von den Bewässe-
F ellahmädchen.
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Kairo.
rungscanälen des letzteren befruchteten Strichen. Man nenntdiese Ländereien „Räye”, im Gegensätze zu den „Scharäki”,d. i. jenen Ländereien, welche der Ueberschwemmung und derdirecten Bewässerung entrückt sind und durch Wasserschöpf-vorrichtungen befruchtet werden müssen. Die Scharäki-Lände-reien erzielen eine dreifache Ernte, im Winter, im Sommer undim Herbst, die Räye-Ländereien nur eine Ernte (im Delta imFrühjahr). In Oberägypten wird fast ausschliesslich Winterfeld-bau getrieben.
Die wichtigsten Bodenproducte sind: Baumwolle, Weizen,Mais, Durrah, Reis, Zuckerrohr, Flachs, Tabak, Sesam, Hennah,Indigo, Datteln. — Die Thierwelt liefert an Nutzthieren: denEsel und das Maulthier, das einhöckerige Kameel (Dromedar),und zwar das „Lastkameel” (gemel) und das „Reitkameel” (hegin)— der Unterschied ist so bedeutend, wie etwa zwischen einemschweren Zugpferde und einem eleganten Traber —; fernerdas Pferd, dem man hauptsächlich in Unterägypten begegnet;den Büffel (im Delta), das Rind und Kleinvieh, namentlich Schafeund Ziegen. — Von den jagdbaren Thieren ist besonders dasin grossen Massen auftretende Vogelwild zu erwähnen.
Mineralien sind in Aegypten, mit Ausnahme der nochheute ausgebeuteten Brüche von Granit und Syenit, spärlich
vertreten; am DschebelUrakum bei Beni - Suefbricht man Alabaster. Sal-peter und Alaun sind weitverbreitet, Natron gewinntman an den „Natronseen”,Kochsalz hauptsächlich amMaryutsee bei Alexandria.
Die Industrie ist vongeringem Belange. Selbstdie von Mohammed Aliins Leben gerufene Baum-wollenindustrie hat sichnicht entwickeln können,da unter seinen Nach-folgern selbst von Webe-stühlen Zölle erhoben wur-den. — Der Handel hatseit Eröffnung der Eisen-bahnen und des Suezcanalsbedeutenden Aufschwunggenommen. (Ueber den in-ternationalen Handel durchden Suezcanal siehe denAbschnitt „Der Weltver-kehr”.) Im Jahre 1886 waren1532 Kilometer Eisen-bahnen und (1884) 9373Kilometer Telegraphen-leitungen vorhanden.
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R.v. WAL.UHL ,/v