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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Nordafrika. — I. Die Mittelmeerländer.

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Cheopspyramide und Sphinx.

Regierung, Verwaltung etc. An der Spitze der RegierungAegyptens, das ein Tributärstaat des osmanischen Reiches ist,steht ein Fürst mit absoluter Herrschaft, der seit 1867 den Titel„Hoheit” und „Khidiv” (fälschlich Khedive, mit stummem fran-zösischen Endlaut geschrieben) — das letztere Wort bedeutetso viel wie „Vicekönig” — führt (seit 1879 Mehemet Thewfik,vgl. S. 380). Die Verwaltung wird unter Beeinflussung Englandsgeführt. Es besteht eine Art Volksvertretung („Rath der Ab-geordneten”), welche sich alljährlich einmal in Kairo versammeltund alle dem Lande zweckdienlichen Fragen zur Sprache bringtoder nützliche Vorschläge macht. — Das Ministerium bestehtaus sieben Ressorts. — Die bewaffnete Macht besteht auscirca 20.000 Mann regulären Feldtruppen; die britische Gar-nison zählte 1887 6300 Mann. — Die Kriegsflotte bestehtaus etwa zwei Dutzend Dampfern und Packetbooten.

In administrativer Beziehung zerfällt Aegypten in dreigrosse Verwaltungsgebiete: 1. Bahri (Unterägypten), 2. Wo-stanie oder el-Dustani (Mittelägypten), und 3. Said (Ober-ägypten). Diese Verwaltungsgebiete zerfallen in eine grössereAnzahl von Provinzen, mit je einem „Mudir” (Gouverneur) ander Spitze.

Die Hauptstadt des Reiches ist

Kairo (375.000 Einwohner), arabisch Masr-el-Kähira (d. h.„Masr die Siegreiche”), oder kurzweg „Masr” genannt, die grössteStadt Afrikas, nächst Constantinopel die einzige Weltstadt desmohammedanischen Gebietes. Kairo hat in den letzten dreissigJahren ungeheure Umwandlungen durchgemacht, so dass ihrorientalischer Charakter stellenweise ganz verwischt ist. Typischmorgenländisch, speciell arabisch, ist nur die Altstadt, auf derSeite der arabischenWüste, im Bereiche derCitadelle, und westlichdavon bis zum Nil, woAlt-Kairo liegt, das zueiner Vorstadt herab-gesunken ist. In der Alt-stadt fehlt es nicht anhervorragenden Gebäu-den, welche den arabi-schen Baustil glänzendzur Geltung kommenlassen. Dies gilt imBesonderen von einerAnzahl grösserer Mo-scheen. Die bedeutend-ste unter ihnen ist dieMoschee des SultansHassan, eines der her-vorragendsten W erkearabischer Baukunst; dieMoschee MohammedAli oder „Alabastermo-schee”, auffällig durchihreGrösse, aber ohne ar-chitektonischen W erth;die Moschee SiteZenab; die MoscheeKait-Bey, von demMamlukensultan KaitBey (1468 bis 1495) er-richtet; die MoscheeIbn Tulun, 879 von

Ahmed Ibn Tulun, dem Begründer der Tulunidendynastie, er-baut, derzeit dem Verfalle preisgegeben; die Moschee el-Ghuri,von malerischer architektonischer Wirkung u. s. w.

Bei der Citadelle, oder richtiger von der Place SultanHassan aus, schneidet Kairos moderne Hauptstrasse, der Boule-vard Mehemet Ali, die ganze Stadtanlage von Südost nachNordwest. Eine andere Trennungslinie ist der grosse StadtcanalChalig, der mit jener Hauptstrasse sich in der Gestalt einesAndreaskreuzes schneidet. Was im Westen des Canals und desgenannten Boulevards liegt, ist vollständiger Neubau. Man nenntdiesen Stadttheil nach seinem Gründer „Ismailija” oder auchkurzweg „die Neustadt”. Hier giebt es schnurgerade ziehende,meist von Squares und anderen Plätzen sternförmig auslaufendeGassen. Die Lücken in den Häuseranlagen sind aber sehr be-trächtlich, und es machen grosse Strecken den Eindruck desUnfertigen und Ueberstürzten. Eine Zierde der Neustadt sinddie vielen schönen Privatgärten, deren schönster der Esbekije-Park und der Garten beim Palaste Kian Paschas sind.Manche Gebäude liegen mitten in solchen Garteninseln, wie dieKriegsschule, unweit der grossen Nilbrücke, der PalastIbrahim Pascha, am Nil, der Kass’r Ali, gleichfalls am Nil,und der Palast Kattany (früher Scherif Pascha), ebenfallsam Nil. Um den Esbekije-Platz herum liegen mehrere hervor-ragende moderne Baulichkeiten, die Post, die Börse, die Oper,das französische Theater, ein vicekönigliches Palais, dasPolizeigebäude und zwei Hotels. Die gegenwärtige Residenzdes Vicekönigs — Abidin — liegt fast im Herzen der Stadt,und zwar in den Neuanlagen.

Dass bei den grossen Veränderungen, welche Kairo in den letzten Jahrzehntenerfahren hat, die alte Stadteinfriedung allenthalben durchbrochen ist, versteht sich vonselbst. Nur im Norden und Osten ziehen noch die alten Stadtmauern, von Thorendurchbrochen, deren wichtigste im Norden das Bab-esch-Scharige und Bab-en-Nass’r, im Osten das Bab-el-Ghorai’b sind. Von diesem letzteren zieht die schnur-gerade Rue Neuve — welche in ihrer Verlängerung Rue du Muski — die inter-essanteste Strasse Kairos, in der Nachbarschaft die weitberühmten Bazare —heisst,nach der Esbekije. Ausserhalb des Thores el-Ghora'ib liegen die Khalifengräber. —Am südlichen Rande der Stadt (zwischen der Citadelle und Alt-Kairo) dehnen sichmeist Schuttfelder und Friedhöfe, zwischen und über denen die Bögen der altenWasserleitung ragen .... Der Nordwestrand der Stadt ist durch den grossen Siiss-wassercanal bezeichnet, der vom Nilstrome abgeht, und der, nachdem er vomZakazik her durch einen zweiten Canal gespeist wird, über Ismailija einerseits nachSuez, andererseits nach Port Said verläuft.

Ueber den Süsswassercanal führen mehrere Brücken aus der Stadt in ihr nörd-liches Weichbild. Hier liegt der Bahnhof und nimmt die über Gebühr geprieseneSchubra-Allee ihren Anfang. Sie ist der Rendezvousplatz der eleganten Weltaller Glaubensbekenntnisse. Zur Seite der Schubra-Allee dehnt sich ein prachtvollerviceköniglicher Park, mit dem Schlosse Kass’r-en-Nuscha und dem Schubra-Palaste, aus. Am Rande des Gartens, d. i. am Nilufer, liegt das Dorf Bulak, berühmtwegen seines grossartigen Museums altägyptischer Denkmäler und interessant alsFlusshafen von Kairo. Hier liegen jederzeit unzählige „Dahäbijen” (Nilboote) vertäutund drängt sich am Ufer ein farbiges, an Abwechslung und Typen reiches Leben. —Gegenüber von Bulak liegt auf der Insel Bulak das vicekönigliche Schloss Dsche-

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Alexandria.

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