Thomas Simpson entdeckt das „Victorialand” (September 1838).
Allg emeine
Uebersicht.
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ächst dem Inneren von Afrika hat kein Gebiet unseres Planeten so sehr die Forscher-welt in Anspruch genommen, als die Polarregionen, speciell das arktische Gebiet.Auf Grund der Ergebnisse einer Reihe von bedeutsamen Expeditionen wurde esermöglicht, unsere Kenntniss von jener eisumstarrten Welt erheblich zu erweiternund manche irrige Voraussetzung zu berichtigen. Zum mindesten ist der hoheNorden heute kein verschlossenes Buch mehr; die Siegel sind gelöst und wirhaben die Thatsache zu verzeichnen, dass die Polargebiete im Allgemeinen un-geheure Eiswüsten sind. Freilich gelang es nur wenigen Polarfahrern, über den82. 0 Nordbreite vorzudringen, und über das, was jenseits desselben bis zu demnoch unerreichten Pole liegt, können nur Hypothesen aufgestellt werden.
Die Polarreisen sind einer langen Epopöe zu vergleichen, welche sich im zeitlichen Sinne über dreiJahrhunderte erstreckt und überreich an spannenden Handlungen ist. Trotz mancherlei Katastrophen undtrotz vielfach abschreckender Ergebnisse, drängte der Forschertrieb immer wieder neue Männer der Thatnach den eisigen Regionen, und mancher derselben hat sein Streben mit dem Leben bezahlt. Auffällig istes freilich, dass die Eismeere bisher verhältnissmässig weniger Opfer forderten, als andere Gebiete unseresPlaneten. Aber dies entscheidet nichts, wenn man berücksichtigt, dass trotz der vielen Expeditionen dieZahl der Polarreisenden gegenüber derjenigen anderer Forscher, welche die ungeheuren Gebiete ausser-europäischer Erdtheile durchwanderten und Jahr für Jahr noch immer durchwandern, eine relativ geringe ist.Die Hauptaufgabe, welche allen Polarreisen und polaren Forschungen zu Grunde liegt, ist selbstverständlichdie Erweiterung unserer geographischen Kenntnisse. In zweiter Linie stehen die Erfahrungen und Beobach-tungen auf geophysikalischem Gebiete. In jüngster Zeit hat die letztere Tendenz die erstere sogar überwogen,und war es namentlich der österreichische Polarfahrer Carl Weyprecht, der den Nutzen geographischer For-schungen, d. h. schwieriger Reisen zu Schiff und mittelst Schlitten, als relativ geringwerthig bezeichnetegegenüber den Aufgaben, welche die physikalische Geographie im hohen Norden darbiete.
Auf Grund dieser zweifachen Aufgaben, welche die Polarforschung, bezie-hungsweise die Kenntniss der Polargebiete, in sich schliesst, ist zu unterscheidenzwischen den allgemeinen physikalischen Verhältnissen, wozu die oceani-schen Gebiete, die Eisverhältnisse u. s. w. gehören, und der Topographie derPolarländer. Zur leichteren Uebersichtlichkeit beziehen wir auch die Orga-nismen — einschliesslich des Menschen, soweit er in Bezug auf sein Verbrei-tungsgebiet den Polarregionen angehört — dem ersteren Stoffgebiete ein.
Tschuktsche.
1. Die Eismeere.
Das Nördliche Eismeer (oder der Arktische Ocean)nimmt, bei Festhaltung an seiner herkömmlichen idealen Be-grenzung, einen Flächenraum von ungefähr 15*3 Millionen Qua-dratkilometer ein, das Südliche Eismeer (oder der Antark-tische Ocean) einen Flächenraum von 20*5 Millionen Quadrat-kilometer. Als Grenze gegen den Aequator zu wird für jedendieser oceanischen Gebiete der entsprechende Polarkreis an-genommen. Der geringere Flächenraum des nördlichen Eis-meeres hat darin seinen Grund, dass der nördliche Polar-kreis Festlandsgebiete durchschneidet, die über jenen pol-wärts hinausreichen und so das Eismeer räumlich beschränken,während der südliche Polarkreis nur Wasserfluthen durch-schneidet. Logischer wäre es, wenn man im Hinblick auf dieweitaus kältere Natur der südlichen Hemisphäre nicht denPolarkreis, sondern die äquatoriale Verbreitungslinie des Treib-
eises als Grenze des Antarktischen Oceans annehmen würde,wodurch dieses letztere oceanische Gebiet eine räumlich doppeltso grosse Ausdehnung erhielte, als es gegenwärtig besitzt. Inder offenen (idealen) oceanischen Begrenzung des AntarktischenOceans liegt der auffallende Gegensatz zu dem ArktischenOcean, der rundum fast ganz vom Land umschlossen ist und,die breite Furche zwischen Grönland und Nordeuropa abge-rechnet, einerseits nur durch die schmale Beringstrasse mitdem Grossen Ocean, andererseits durch die zahlreichen Insel-canäle von Arktisch-Amerika mit dem Atlantischen Oceanin Verbindung steht. Den Kern alles arktischen Landes bildetdas langgestreckte Grönland, ein von ungeheuren Gletscher-massen bedecktes, an seinen Küsten fjordartig durchrissenesGebiet, das von seinem bisher erreichten nördlichsten Ende(Hall-Land) bis zur Südspitze (Cap Farewell) fast 25 Breiten-grade einnimmt.
Die ganze terrestrische Polarzone ist ein von Eismassen durchsetztes Insel-gebiet, das nur in seinen am weitesten gegen den Aequator hin exponirten Strichen
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