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Die Landgebiete der Polarregionen. — I. Die arktische Region,
Westküste sind sämmtlich chri-stianisirt) besiedelt, doch findensich auch einige dänische Colo-nien vor.
Die Entdeckung einer Normannen-ruine an der Südostküste von Grönland,durch den Herrnhuter Missionär J. Brod-beck im Sommer 1880, brachte die That-sache in Erinnerung, dass die Normannenin der zweiten Hälfte des IO. Jahrhundertsvon Island aus Grönland entdeckt hatten.
Sie gründeten daselbst zwei Colonien, dieeine auf der Ostküste, die andere auf derWestküste, welche bis ins 15. Jahrhundertmit Island und Norwegen im regelmässigenVerkehr standen. Wann und aus welchenUrsachen dieser Verkehr auf hörte, ist nichtergründet worden. Expeditionen, welchenach den verschollenen Colonien ab gesendetwurden, konnten in Folge widriger Eisver-hältnisse ihr Ziel nicht erreichen. Erst imJahre 1721 gelang es, eine dänische Coloniean der Südspitze von Westgrönland zugründen. Bei diesem Anlasse wurden durchden unternehmenden Missionär Hans Egededie Trümmer der einen der beiden Nor-mannenniederlassungen (der an der West-küste) gefunden, wodurch eine alte Ueberlieferung zur Wahrheit erhärtet wurde.
Wie weiter oben erwähnt, hat man im Sommer 1880 nun auch die Reste deröstlichen Normannencolonie aufgefunden. Wenn man den Bericht H. Brodbeck’s liest,kann es nicht überraschen, dass Europäer sich an dieser südöstlichsten Küste vonGrönland (zwischen dem 62. und dem 63. 0 Nordbreite) niederliessen. Der Entdeckerder verschollenen Colonie schreibt: „In voller Pracht that sich der Fjord vor unsauf, und anders, als wir ihn bisher auf Karten gesehen hatten. Obgleich vorherrschendöde, bot er mit seinen grossen Inseln, Nebenbuchten und Eisblöcken doch einegrosse Mannigfaltigkeit dar. Endlich nahte das vielgepriesene Wunderland. In derThat, eine schöne grüne, ebene Oase in der Wüste, ein wahres grönländischesParadies! Sein Name ist Narssak, d. i. „ebenes Land”. Am Seestrand aufgerichtetstehen zwei steinerne, fast mannshohe Pfosten; ich zählte nicht weniger als zehngrönländische Hausruinen, ausserdem mehrere Zeltplätze. Schönes üppiges Weiden-gestrüpp wuchs ringsum. Am Strande lagen prächtige Steinplatten. Jenseits einesBaches traf ich fast wie in einem Versteck auf die alte Normannenruine, von dermeine Leute erzählt hatten, eine Entdeckung, die mir viel Freude machte; ist esdoch die erste derartige Ruine auf der Ostküste, welche der Fuss eines Europäersbetreten hat.”
Eine Erklärung zu der verhältnissmässigen Lieblichkeitdieses ostgrönländischen Oasenstriches finden wir in der That-sache, dass die langsam beginnende, stetig zunehmende, aus-dauernde und zu Zeiten intensive Sonnenwärme Ostgrönlandses möglich macht, dass in der kurzen Zeit, in der der Bodennicht gefroren ist, eine reiche und kräftige Vegetation sichentwickelt. Dies constatirte seinerzeit das Mitglied der zweitendeutschen Nordpolfahrt, Dr. Ad. Pansch. Er giebt zugleich eineSchilderung von dem sommerlichen Thier- und Pflanzenleben aufKönig Wilhelm-Land und sagt: „Da sieht man grosse, gleich-mässig grüne Flächen, auf denen Herden von Renthieren undMoschusochsen weiden, da findet man an manchen Stellen dendichtesten und schönsten Rasen, den wie bei uns die gelbenKöpfe des Löwenzahnes zieren; da stellt sich neben der An-dromeda die Heidelbeere ein und überzieht grosse Streckendes Bodens; an den sonnigen Halden nickt auf hohem Stengeldie tiefblaue Campanula (Glockenblume), entzückt uns die zarteimmergrüne Pyrola mit den marmorweissen Blüthen; zuletzttriumphirt der Botaniker über den Fund einiger schönerAlpenrosen” .... Bei solchen klimatischen Verhältnissen lerntman auch den Ausspruch derEskimo, mit denen G. Brod-beck zusammentraf, verste-hen: „Auf der Ostküste woh-nen Leute genug bis in denhohen Norden.” Den Polar-reisenden sind diese Nieder-lassungen leider unbekanntgeblieben.
Grönland ist kein herren-loses Land, sondern wird vonDänemark als Eigenthum inAnspruch genommen. Indesswird nur die Westküstethat sächlich verwaltet.
Dieselbe zerfällt in zwei In-spectorate, deren jedeseinen königlichen Inspectoran der Spitze hat. BeideInspectorate werden durcheinen schmalen Fjord (Norder-Strömsfjord oder Rummel-potten), der sich unter dem
67.°Nordbreite befindet, getrennt.Man zählt 15 Colonien und vielekleine Handelsanlagen.
Das nördliche Inspectorat bestehtaus den sechs Districten: Upernavik,Omenak, Rittenbenk, Jakobshavn,Christianshaab und Egedesminde(„Egede’s Andenken”) mit den Coloniengleichen Namens; ausserdem Godhavnauf der Insel Disko, wo der Inspectorwohnt. Hier werden Steinkohlen gefördert.— Das nördliche Inspectorat erstreckt sichvon 67° 20' bis 73° Nordbreite und zählteim Jahre 1880 nicht ganz 4000 Bewohner.Die Wohnstätten (Handelsanlagen) bestehenaus einigen Zelten mit selten über 50 Men-schen. Der productivste District ist jenervon Omenak. Der gleichnamige Ort liegtauf einer hohen Insel und zählt etwa 150Einwohner. Der District ist reich an Stein-kohlen (vgl. S. 414) und liefert viele See-hundfelle, Renthierhäute, Narwalzähne undThran. — Die nördlichste Colonie, Uper-navik in 72 0 48' Nordbreite, auf einerkleinen Insel gelegen, ist fast ebenso pro-ductiv wie der vorgenannte District, hataber eine traurige Umgebung und ein sehrrauhes Klima (Frost selbst im Juli!); die längste Nacht dauert igmal 24 Stunden. —Der District Godhavn mit dem gleichnamigen Orte (circa 160 Bewohner) umfasstdie Insel Disko und hat im Osten die basaltischen, furchtbar steilen Skarvefjeldvorliegen. Auf der Disko-Insel, die im 69. 0 Nordbreite liegt, dauert die Winternachtvon Ende November bis Mitte Januar. — Zum nördlichen Inspectorat gehören ferner:Jakobshavn mit der gleichnamigen Colonie (230 Bewohner); der District Chri-stianshaab mit dem gleichnamigen Hauptorte und Claushavn (120 Einwohner).—Auf der Kronprinz-Insel ist eine Niederlassung von Grönländern und Dänen. —Der District Egedesminde mit dem Hauptorte gleichen Namens (170 Einwohner)umfasst die Insel Auhirt mit gutem Hafen und lebhaftem Lachs- und Robbenfang.
Das südliche Inspectorat reicht von 67° 20' Nordbreite bis zum Cap Farewellund zerfällt in sechs Districte: Julianehaab (Sitz des Inspectors), Frederikshaab,Fiskernässet, Godhaab, Sukkertoppen und Holsteensborg mit den Colo-nien gleichen Namens. — Holsteensborg (180 Einwohner) und Godhaab (170Einwohner) sind die ältesten von Hans Egede 1721 gegründeten Ansiedelungen. Dergrösste Ort Grönlands ist Neu-Herrnhut. Der südlichste und wichtigste Districtist Julianehaab, mit der Nicolaikirche und etwa 300 Einwohnern. Andere Oertlich-keiten sind Lichtenau (210 Einwohner) und Frederiksdaal (150 Einwohner).
Auf der Ostküste von Grönland, welche gleichfalls von Dänemark als Eigen-thum beansprucht wird, liegen mehrere Eskimoansiedelungen, welche administrativwohl zum südlichen Inspectorat gehören dürften. Diese Colonien, deren nörd-lichste jenseits des 65. 0 Nordbreite liegt, sind (von Süden nach Norden): Puirsortok,Igdlutuarsuit, Umivik und Angmagsalik.
In geistlicher Beziehung untersteht Grönland demBischof von Seeland. Die früheren Missionsplätze werden nochimmer unterhalten, obwohl sämmtliche Eskimo (der Westküstewenigstens) äusserlich dem Christenthume angehören, so dassdie „Brüder” aufgehört haben, Missionäre im eigentlichen Sinnedes Wortes zu sein. Die Eskimo der Ostküste sind noch vor-wiegend Heiden.
Der Handel Grönlands, welcher schon seit 1734 auf könig-liche Rechnung betrieben wird, beruht auf dem Ertrag desRobbenschlages und im Waarentausch. Die von Grönland nachDänemark ausgeführten Producte sind: Thran, Wal- undRobbenspeck, Walbarten (Fischbein), Robbenfelle, Renthier-häute, Fuchsbälge und Eiderdunen. Vom Mutterlande werdendie Colonien jährlich mit Schiffsbrot, Butter, Speck, Gries, Erbsenversehen. Zu Anfang October gehen die letzten Schiffe nachDänemark zurück; von da ab ist die kleine Welt bis zum
nächsten Juni völlig abge-schlossen.
3. Jan Mayen. Der Ab-schnitt des Arktischen Oceansim Osten von Grönland wirddas OstgrönländischeMeer genannt. In demselbenliegt auf der Polhöhe desskandinavischen Nordcapsund etwa 12 Längegrade öst-lich von Grönland die InselJan May en (413 Quadratkilo-meter Flächeninhalt). Sie istvulcanischen Ursprungs underhebt sich über eine sub-marine Bank, ist aber sowohlvon Grönland als von Islanddurch eine über 2000 Metertiefe Rinne getrennt. DieInsel ist in der Mitte ein-geschnürt; auf dem nordöst-lichen Theile erhebt sich der1943 Meter hohe Beeren-
Ein Winterhafen.
Das Wilczek-Thal auf Jan Mayen mit dem Beerenberg.
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