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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Weltverkehr. A. Die Rohprodncte des Welthandels.

Der grösste Kohlenproducent der Erde ist Gross-britannien, mit circa 160 Milliarden Kilogramm Erzeugungs-menge; demnächst folgen die Vereinigten Staaten von Ame-rika mit i io Milliarden Kilogramm und Deutschland mit 76 Mil-liarden Kilogramm. Die Gesammtkohlenproduction der Erde wirdauf rund 415 Milliarden Kilogramm (1000 Kilogramm = 1 Tonne)geschätzt. Das kohlenreichste Land der Erde ist China,doch werden die mächtigen und ausgedehnten Lager diesesReiches so viel wie gar nicht ausgebeutet. Gleich hinter Chinarangiren die Vereinigten Staaten von Amerika, derenungeheuere Kohlenreviere mächtig zum Aufschwünge der In-dustrie, in erster Linie aber zu der grossartigen Entwickelungder Eisenbahnen beigetragen haben. Zu den kohlenreichstenLändern zählen ferner: Deutschland, Oesterreich-Ungarnund Russland. Die kohlenärmsten Continente sind Afrika undAustralien.

Das Eisen. Es ist einErfahrungssatz, dass mit demSteigen der Kohlenproduc-tion auch die Entwickelungdes Eisenhütten wesensfortschreitet. Verzehrt dochdie Kohlenproduction selbstwieder in der Form vonMaschinen eine Menge Eisen.

Dazu kommt die Entwicke-lung des Eisenbahnwesensund der gesteigerte Schiffs-verkehr, beziehungsweise dersich immer mehr entwickelndeEisenschiffbau. Auch sonstspielt das Eisen im mensch-lichen Haushalte eine wich-tige Rolle. Kohle und Eisensind schliesslich dieFactoren,auf welchen die grossartigeAusgestaltung der modernenIndustrie begründet ist.

Auch in Bezug auf die Eisen-production nimmt Grossbritanniendie erste Stelle ein, und wenn dieamerikanische Eisenindustrie auchsehr bedeutend ^geworden und inkräftiger Entwickelung begriffen ist,so steht sie doch noch insofemehinter Grossbritannien zurück, als sieallein für den eigenen Bedarf undda noch ungenügend arbeitet, Gross-britannien aber im Dienste der ganzenWelt steht. Während nämlich Gross-britannien Eisenproducte im Werthevon fast 800 Millionen Mark ausführt,müssen die Vereinigten Staaten ihrenBedarf durch Einfuhr im Werthe von92 Millionen Mark decken. Zu denausführenden Eisenländern zählennoch: Deutschland (275 MillionenMark), Belgien (145 Millionen Mark)und Schweden (38 Millionen Mark).

Zu den Ländern, welche ihren Be-darf an Eisenfabrikaten durch Einfuhrdecken müssen: die Niederlande (fürcirca 100 Millionen Mark), Frank-reich (für circa 72 Millionen Mark),

Oesterreich-Ungarn (für circa 20Millionen Mark).

Von anderen Metallensind in der Weltwirthschaft von besonderer Wichtigkeit: dasKupfer (jährliche Gesammtproduction circa ioo Millionen Kilo-gramm), hauptsächlich vertreten durch Chile, die Union(beide zusammen produciren ungefähr die Hälfte der Ge-sammtausbeute an Kupfer auf der ganzen Erde), Deutsch-land, Grossbritannien, Frankreich und Russland. Bleiliefern hauptsächlich die Union und Spanien, demnächstDeutschland. Zink wird hauptsächlich in Deutschlandgewonnen (5o"/ 0 der Gesammtproduction), dann in Belgien undin der Union. Nickelerze: erster Producent Deutschland,dann die Union und Neu-Caledonien. Auch Oesterreich-Ungarn, Skandinavien und Brasilien produciren Nickel. Zinn-erz wird besonders auf der Halbinsel Malakkawelche alsdas reichste Zinnland der Erde gilt und in Australien ge-wonnen. Demnächst folgt Grossbritannien, welches ungefähr20% des gesammten in den Handel kommenden Zinnerzes liefert. Quecksilber ist nur in Spanien und in Californien ingrösseren Mengen vorhanden; das letztere deckt den Bedarf der

südamerikanischen Staaten für ihre Silbererzeugung und fastseinen eigenen Bedarf, und mit Spanien den Bedarf Chinas undJapans für die Zinnobererzeugung. In Europa ist noch Idriain Oesterreich-Ungarn (Krain) als Fundstätte von Quecksilberzu nennen. Platin, welches auf der Erde in einer Gesammt-menge von nur 3600 Kilogramm jährlich gewonnen wird, wirdfast nur im Ural (Russland) ausgebeutet (fast 85% der Ge-sammtausbeute.)

Die Edelmetalle. Der Welthandel wird erst zur berechen-baren Einheit erhoben durch das Tausch- und Umlaufsmittel,oder, was gleichbedeutend ist, durch das Zahlungsmittel. Daswichtigste Zahlungsmittel ist das Geld, und zwar das Münzgeld Gold und Silber. Der Preis aller Güter bewegt sich nachdem Preise des Goldes und Silbers. Die Edelmetalle sind so-nach auch eineWaare, welche gewisse Fluctuationen durch-zumachen hat. Nach Indienund China werden von Gross-britannien grosse Mengenvon Münzgeld ausgeführt,welche dort zum grossenTheile vergraben werden undtodt liegen bleiben. Dadurchwird in den Culturländerndie Nachfrage nach edlenMetallen gesteigert. Fernerist zu berücksichtigen, dassdas Vordringen der europäi-schen Cultur in bisher ver-schlossen gewesene Ländereine Veränderung der Welt-wirthschaft erzeugt hat, diedie NaturalwirthSchaft ver-drängt hat und nach Goldbegehrt, und somit der stei-gende Bedarf eine gleicheWirkung erzeugt. Immerhinwürde keine Productions-menge von edlen Metalleneine Aufstauung derselbenoder eine Entwerthung der-selben heute erzeugen kön-nen. (Nach C. Th. Richter).

Die reichsten Silber-länder der Erde sind Ne-vada in den VereinigtenStaaten und Mexico. ImJahre 1887 hatten die zurAusfuhr gelangten Mengenvon Silber einen Werth von147*6 Millionen Mark, beieinerGesammtproduction von700.000 Kilogramm. In derUnion übersteigt die Silber-production 1 Million Kilo-gramm, in Deutschland er-reicht sie 200.000 Kilogramm,in manchen Jahren darüber.Silber wird noch gewonnenin Ober-Ungarn, Russland,Schweden, Chile, Bolivia undPeru.

Die gesammte Gold-production beläuft sich imJahre auf circa 160.000 Kilogramm, an welcher Summe Amerika(Californien, Britisch-Columbia, Chile) mit circa 32%, Austra-lien mit circa 27%, Russland mit circa 28% participiren. InEuropa sind die Goldlager am ergiebigsten in Oesterreich-Ungarn; die russischen Goldlager befinden sich im Altai. Inden letzten Jahrzehnten sind in der Colonie Victoria (Austra-lien) und auf Neu-Seeland ergiebige Goldlager entdecktworden. Seit längerer Zeit ausgebeutete Goldfelder befindensich in der Colonie Neu-Süd-Wales, deren Ergiebigkeit in ein-zelnen Jahrcyklen grossen Schwankungen unterworfen ist.

Der Werth und die Productivität der californischen Gold-minen ist längst im Sinken begriffen. Dagegen haben dieGoldlager von Neuseeland und der Colonie Victoria zu demGoldreichthum Englands erheblich beigetragen. In der ColonieNeu-Süd-Wales hat erst die Herstellung von Eisenbahnliniendie Goldausbeute wesentlich gehoben und zur Gründung geld-kräftiger Compagnien geführt. Die Alluvialdiggings sind längstschon sehr arm geworden, und da es sich heute um den Abbau

E.MEIS S N ER

Goldwäsche in Californien.

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