Weltverkehr. — B. Die Verkehrsmittel zu Land.
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Abgesehen von dem Naturreichthum Sibiriens, seinen Erz- und Kohlenlagern,Pelzthieren und unermesslichen Waldungen, ist nebenher der Umschwung nicht ab-zusehen, welchen der ostasiatische Ueberlandhandel, an welchem China mit all seinenReichthümern an Bodenproducten und Industrie-Erzeugnissen Antheil nehmen würde,nach Fertigstellung der sibirischen Pacificbahn im Gefolge hätte. Diese Aussicht,sowie die andere, die des grossen politisch-militärischen Uebergewichtes, welchesRussland in Ostasien erlangen würde, genügen, um die unbestritten grosse Bedeutungdieses ausgedehnten Ueberlandschienenweges — des längsten auf der Erde — wür-digen zu können.
f) Die Eisenbahnen in der asiatischen Türkei. Unter allenLändern Asiens ist Türkisch-Asien dasjenige, das bisher dieGeduld der Speculanten in Eisenbahn-Unternehmungen am nach-haltigsten in Anspruch genommen hat. Seit Jahrzehnten werden.in diesem Gebiete grosse Ueberland-Schienenwege geplant,technisch festgestellt undverworfen, und wieder an-geregt, theoretisch finan-zirt, um abermals verworfenzu werden. Vollständig tech-nisch ausgearbeitete undfinanziell calculirte Projecteliegen seit drei Lustren fixund fertig vor, harren abernoch immer ihrer Ausfüh-rung. Diese Projecte um-fassen einerseits ein voll-ständiges Netz in Klein-asien, mit Anschlüssendurch Armenien nachTranskaukasien und Per-sien, andererseits die wich-tige Ueberlandroute von derKüste Syriens bis zumPersischen Golfe (eventuelldurch Persien und Afgha-nistan nach Indien).
Der letzterwähnte Ueberlandweg,gemeinhin „Euphratbahn” genannt,ist eigentlich eine „Tigrisb ahn”,indem das einzig ausführbare Projectin seiner östlichen Hälfte durchwegsdem Tigrisgebiete angehört und inseiner westlichen Hälfte den Euphratquert, ohne auch nur einen Kilo-meter in dessen Thale zu ziehen.
Der Ausgangspunkt der Tigrisbahnist Alexandrette (Iskanderun) inNordsyrien. Von hier verläuft die pro-jectirte Linie über Urfa, Mardin,
Djarbekr und Mosul bis Bagdad,beziehungsweise bis Basra . . . DieEuphratbahn dagegen ist aus Grün-den, die hier nicht weiter ausgeführtzu werden brauchen, in bautechni-scher, betriebstechnischer und ökono-mischer Beziehung ein Unding. Fürden Ausbau der kleinasiatischen Li-nien wurden 1888 definitive Beschlüssegefasst.
Auf dem fast 2 Millio-nen Quadratkilometer um-fassenden Gebiete von Tür-kisch-Asien waren im Jahre1888 nur 446 KilometerEisenbahnen in Betrieb, undzwar die Linien:
Haidar Pascha- (bei Scutari) Ismid. ... 96 Kilometer
Smyrna-Aidin-Serajköj -.170 „
Smyrna-Manissa-Alascheher.169 „
Mersina-Tarsus . .11 „
Zusammen . 446 Kilometer
In Persien wurde im Jahre 1888 die erste kurze Theil-strecke der Bahnlinie Teheran-Rescht (Kaspimeer) eröffnet.Diese Linie soll einerseits von Rescht-Enzeli bis Baku inTranskaukasien, andererseits durch Khorassan an die Transkaspi-bahn Anschlüsse erhalten. Ausserdem besteht das Project einernordsüdlichen Transversallinie von Teheran über Isfahanund Schiras nach Abuschir (oder Bender Abbas). Da aberdieses Project von englischen Kreisen favorisirt wird, dürftees bei dem gegenwärtig in Teheran überwiegenden russischenEinflüsse nicht so bald verwirklicht werden.
4. Die Eisenbahnen Afrikas.
Afrika besitzt unter allenErdth eilen die wenigstenEisenbahnen. Im Jahre 1887betrug die Gesammtlängealler afrikanischen Bahnen7969 Kilometer, wovon Al-gerien mit Tunis, Süd-afrika und Aegypten dengrössten Antheil hatten. Allediese Schienenwege habennur eine locale Bedeutung,selbst die aufwärts des Nilsbis Siut ziehende Bahn,welche schon vor zwei Jahr-zehnten als der Ansatz zuder grossen „Sudanbahn”angesehen wurde, ohne dassseitdem auch nur eineSchwelle gelegt wordenwäre ... Bei Massaua undSuakim sind unter demZwange der politischen Ver-hältnisse der letzten Jahrezwei kurze Militärbahnengebaut worden ... Die Ver-wirklichung des Projectesder sogenannten „Sahara-bahn”, welche über Tim-buk tu Algerien mit Sene-gambien verbinden soll,stehtnoch in weitem Felde, wennsie überhaupt je gebautwird.
5. Die EisenbahnenAustraliens.
Australien besass imJahre 1887 ein Eisenbahn-netz von 14.512 KilometerGesammtlänge. Diese Schie-nenwege spannen über dieColonien stellenweise einengmaschiges Netz, vonwelchem mehrere Haupt-linien ausstrahlen. Der weit-aus grösste Theil des Con-tinents ist aber ohne Eisenbahnen. Eine Ueberland-Schienen-strasse in der Richtung der grossen Telegraphenlinie ist pro-jectirt. Von den australischen Inseln besitzen Tasmanien undNeuseeland, von den polynesischen Inseln Hawaii undTahiti Schienenwege.
Coloradobahn: Partie in Clear Creek Canon.
Das Eisenbahnnetz der Erde im Jahre 1887 .*)
Land
Kilom.
Land
Kilom.
Land
Kilom. |
Land
Kilom.
Aegypten (1886).
1.532
Deutsches Reich ....
38.048
Italien (1888).
11750 I
Salvador (1884) ...
87
Aigentina ... . .
6.648
(Hierzu Industriebahnen) .
(2.589)
Luxemburg (1886) ....
435
Schweden.
7.277
Belgien (1886).
4.421
Dominikan. Republik (1886) .
80
Mexico.
6-375
Norwegen.
1.562
Bolivia (1883).
130
Ecuador (1886).
240
Nicaragua (1885) ....
IÖO
Schweiz.
3.097
Brasilien.
7.929
Frankreich (1886) ....
33.319
Niederlande.
2.550 '
Serbien (1888).
536
Bulgarien und Ostrumelien .
692
Griechenland (1888) . . .
711
Oesterreich-Ungarn (1888) .
25-576
Spanien (1886).
9.185
Chile.
2.548
Grossbritannien (1886) .
31. III
Paraguay (1881).
72
Südafrikanische Republik
86
China (1884).
13
Guatemala (1885) • • • •
212
Peru (1886).
2.615
Türkei (1888).
1.343
Columbia (1886).
265
Hawaii.
51
Portugal.
1.819
Uruguay.
556
Costarica (1886).
282
Honduras (1885).
III
Rumänien.
2.160
Venezuela (1884) ....
164
Dänemark (1886) ....
1.952
Japan (1888).
935
Russland (mit finnländ. Linien)
27.808 1
Verein. Staaten von Amerika
242.492
*) Die im Texte bei den
einzelnen Ländern und Staaten angeführten
Ziffern sind nach diesen neuesten Daten richtig zu stellen.
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