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mehr Schurken besäße, als es bedarf!) So logen — es warin der letzten Woche April — die Organe der honetten Republikvon Versailles und ich begriff nun, wie das Märchen von derAnschüttung von 50,000 Preußen in einem Steinbruch sichden Weg machen konnte. An diese letztere, seiner Zeit genugsambelachte Schwulität glauben heute noch viele Franzosen mit großerHartnäckigkeit. Bei diesem Anlaß gerade noch ein Exempel der-selben Sorte. Ein sehr gebildeter Kaufmann in Paris, ur-sprünglich ein Preuße, aber völlig naturalisirter Franzose, er-zählte mir in ziemlich ernsthaftem Tone, daß bei Champigny, sooft der Verräther Trochu auf seinem Schimmel vorgesprengt sei,die Preußen nach jener Richtung hin das Feuer einstellten. SeinKommis, ein sehr wackerer Junge, der dabei war, habe dies ganzganz genau beobachtet! . . . Gnade Gott übrigens dem armenDeutschland, wenn die „Revanche" im Sinne der liebenswürdigenFrau dieses Mannes, einer feurigen Chauvinistin, vor sich geht.«Hous brülsrons In krusss!" sagte sie zu mir bei Tischs ein-mal über's andere und ihre dunkeln Augen blitzten dabei. . .
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Ich setzte mich im Eisenbahnwagen zu zwei preußischen Sol-daten, die einen reumüthigen Kameraden nach Dijon transpor-tirten. Es war ein richtiges Berlinerkind von ungemein in-telligentem Aussehen. Bei Saarbrücken und vor Metz hatte ersich tapfer geschlagen, den Krieg bis zu Ende mitgemacht. InDijon trank er eins über den Durst und brannte, ohne zu wissenwohin und was beginnen, durch, — „er hat sich eenen anjedudeltund is davonjeloofen", sagte einer seiner Begleiter — und wärein der Nähe von Pontarlier beinahe von den Bauern todtge-schlagen worden. Da zog er es vor, wieder zu den Fleischtöpfenseines Regimentes zurückzukehren. Weil seine Desertion erst nacherfolgten: Friedensschluß erfolgte, so wird seine Strafe nicht allzugroß sein: Maximum ein halbes Jahr Festung, vielleicht auchnur etwa sechs Wochen Arrest. Aber aus seiner Karriere hinausist der arme Kerl doch geworfen. Er wollte Förster werden, und
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