Buch 
Plaudereien : feuilletonistische Blätter / von Reinhold Rüegg
Entstehung
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Frülitmg lmck Jugenckzeii.

Ueber mir der Himmel, der nach langem Schmollen seinenblauen Frack mit betn schönen goldenen Knopf angezogen zurLinken und Rechten im Abendwind rauschende Bäume zumeinen Füßen Winterthur, das demokratische Rom, sitze ichda droben auf der Hochwacht, träume über Altes und Neuesund rauche dazu eine Cigarre, deren Duft einen Todten zum

Riehen bringen könnte.Sterblicher, laß Deine Sorgen

hier oben, vergiß Altkatholizismus und amerikanischen Speck,entschlage dich wehmüthiger Gedanken über den langsam denGeist aufgebenden Vurgernutzcn, athme hier oben Licht und Luft,denn die sind den Gründern noch nicht verfallen und der rotheWaldabcndschein dort drüben noch viel weniger. Feire dieAbendandacht, du hast ein Recht dazu nach den langen, trübenTagen, welche sich in perfider Weise für den Frühling ausgebenwollten. Wir haben ja so manches Schwere hinter uns. Nichtdaß der Winter es mit uns bös gemeint, er ließ die heißen Ge-bete der Holzhändler unerhört, brachte uns ein Theater, denHerrn Hegel, der unseren holden Frauen unvergeßlich bleibenwird, und vor Allem den Herrn Spannring, der so oft mit derNaturwahrheit eines nach Hafer vigilirenden Postrosses demSouffleurkasten entgegenstrebte. Aber es war doch eine böse Zeit,da ich und mancher Biedermann,

der am Abend sinnt und denkt,wo man einen Guten schenkt,

den Himmel*um periodische Taubheit anflehten, wenn einemvorn, hinten, neben und unterm Wirthstisch der Standpunkt