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Plaudereien : feuilletonistische Blätter / von Reinhold Rüegg
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Anlaß ziehen sich meist in die Länge, hören sich aber nicht schlechtan, da sie mit interessanten Anekdoten durchspickt und mitgeist-reicher" Konversation versetzt sind, und er weiß seine zuWasserund zu Land bestandenen Gefahren" und den bei Ausbreitungderheiligen Sache" bewiesenen Eifer in erschütternder Weise an-schaulich zu machen. Für dieseheilige Sache" hat erAlleshingegeben", wie er mehrmals versichert. Und was hat er wohlAlles hingegeben? Nichts. Ohne jedes ökonomische Opfer,ohne wahre Arbeit, ohne Universitätsstudien, ist er Geistlicher ge-worden. Seine Position bringt ihn in Zirkel, die sich ihm sonstnie geöffnet hätten; er bezieht ein Salair, nach dem sich mancherhochgebildete Kollege umsonst sehnt und haucht er endlichseinen irdischen Wandel aus, so bezieht sein Weib eine aus-reichende Pension. Er hat Nichts hingegeben, aber Alles ge-wonnen. Er ist ein respektabler Gentleman geworden, den dieWelt achtet, weil er seinen Weggemacht" hat. Die Heiden-bekehrung ist ihm gewesen, was dem Kleinkrämer der Hausirer-karren 1s mo^en äs parvsnir. Das ist aber kein Martyriumdas heißt einfach Geld machen, und wenn er vonOpfern" spricht,so ahmt er nur den Tartüsse nach.

Missionäre dieser Sorte sind also, wie bereits angedeutet,sehr leicht zu miethen, ja sie bieten sich mit großer Bereitwilligkeitselbst an, und es gehört wenig Diplomatie dazu, um ihre Be-kanntschaft zu machen. Es ist ja gar verlockend, sich von Männleinund Weiblein, namentlich von letztem, bewundern zu lassen. Eingroßer Theil der Maschinerie in der evangelischen Welt wirdvon den Weibern Lirigirt. Weiber arrangiren jene gottinuigenSitzungen, in welchen für arme Kinder genäht und über Er-wachsene geklatscht wird; sie organisiren die unzähligen Wohl-fahrts-Ausschüsse für in der Finsterniß wandelnde Sünder undHeiden; sie vergeben Stellen; sie gründen Bazars und verkaufenQuincaillerie - Waaren zu Gunsten von Anstalten, wo reuigeMagdalencn untergebracht werden, kurz, sie haben überall dieHand im Spiel, in der geistlichen wie in der weltlichen Sphäre, ,