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Plaudereien : feuilletonistische Blätter / von Reinhold Rüegg
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Die mancherlei feinen Nuancen, welche Evangelische zwischenerlaubten und feindlichen Freuden herausdifteln, aufzuzählen, isteine für uns zu hückligc Arbeit. Nur das erweckte Auge vermagherauszubringen, wenn eineParthic Whist" eine bloße Unter-haltung oder verdammenswerthes Kartenspiel; wenn der Tanzeine unschuldige Freude oder ein sinnlicher Akt ist; wenn daSLiebhaber-Theater blos die Ausführung von Charaden oder eineunsittliche Anstalt bedeutet; nur es weiß, wenn ein leckerer Fraßein bloßes Gebot der Gastfreundschaft oder unwürdiger Sinnenkitzelist. So sehr sich die Frommen von den Kindern der bösen Welt son-dern, so sehr lieben sie deren fröhliches Leben und treiben es auch,nurmit ein Bischen andern Worten". So handelt aber freilichkein wackerer Christ: Geht er in Gesellschaft, so geht er nicht zurVersammlung, liest er einen Roman, so liest er keineGeschichte",und mißbilligt er den Inhalt, so thut er's, auch wenn der Romanin einem evangelischen Unterhaltungsblatt erscheint; kurz, er lügtsich nicht selbst Etwas vor, indem er der Sache je nach Umstün-den einen andern Namen gibt, und legt nicht die religiöse Larvean, umrespektabel" zu erscheinen. Aber in England sind wirdazu gekommen, wenn nicht tugendhaft zu sein, so doch sehrrespektabel zu scheinen. Und so lange wir die Sklaven dieserRespcktabilität find, so lange wuchern auch diese schmählichen In-dividuen fort, deren Umrisse wir kurz zu firiren suchten."