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Plaudereien : feuilletonistische Blätter / von Reinhold Rüegg
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es sei einejunge tüchtige Kraft" gewonnen worden und da-her namentlich das inserirende Publikum auf die weite Verbrei-tung des Blattes aufmerksam gemacht. Dem Verleger gefiel dieNummer, und um dieselbe mit aller Ruhe lesen zu können, schufer den Sabbath.

Wie die Familie Adam von der Redaktion weggesprengtwurde, ist nicht mit Sicherheit festzustellen; ob er trotz dem aller-höchsten Verbot selbst gegen den Baum geschrieben, oder ob seinMarskorrespondenz Bosheiten verübte, darüber liegen nurVermuthungen vor. Genug, wie mein Holzschnitt beweist, er-folgte die Aussperrung äußerst rasch und in dem Trab, welchendie publizistischen Ureltern angeschlagen, spiegelt sich die ganzeUnruhe und Hast, welche den gegenwärtigen Preßzuständen eigensind, ebenso sehr aber auch in dem säbelschwingenden Cherubdie Herzlosigkeit einer gewissen Klasse, welche den armen Zeitungs-schreiber als ein Wesen aufsaßt, das ähnlich wie der Bär ander Kette sein vorgeschriebenes Quantum abtanzt, seine regel-mäßige Portion Tagesbericht, Kantonales, Neuestes w. zu ser-vilen, im Uebrigcn aber sich gehorsamst zu mucksen hat.

Undankbares Volk! Wie Mancher rudert stolz an uns vor-bei, der es nie auch nur zum Mitglied des Wahlbüreaus ge-bracht, hätten wir nicht durch ganze Nummern hindurch mit sei-nen Talenten und Verdiensten gerasselt, odereinige Wähler"undUnbetheiligte" reden lassen! Wie manche schlechte Redehaben wir so lange gewaschen und gebügelt bis sie sich ganzhübsch las, wie manches schiefe Votum grad geknetet, wie man-cher Einsendung die orthographischen und stylistischen Insektenabgelesen, ohne daß eine Dankeszähre für uns floß. Im Gegen-theil: Wie Etwas krumm liegt, muß die taktlose Presse dranschuld sein, denn die großen Politiker gleichen aufs Haar jenemspanischen Adeligen, der da sagte:

Also hab' mit meinem DienerIm Vertrag ich abgesprochen:

Ist was gut, hab' ich's gcschasfeli,

Ist was schlecht, hat er's verbrochen.