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Plaudereien : feuilletonistische Blätter / von Reinhold Rüegg
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arme meines Primgeigers, wenn ich auf einem Klavier Lind-paintner'sFahnenwacht" langsam abmartern höre.

Und wie genügsam und glücklich wir waren! Wenn einePause eintrat, so lasen wir uns dieHeublumen" aus denHaaren, knupperten verständnisinnig an einemWähereuf", undwenn ich sagte, es sei heiß, so sagte sie, es sei merkwürdigheiß. Fügte ich einige Minuten später bei, es sei verflucht heiß,so schloß sie sich dem geehrten Herrn Vorredner an mit denWorten:Ja au gar", und als ich endlich erklärte, ich schwitzewie eine Sau, so versetzte sie, ein Meister in schlagenden Ant-worten: Und ich au".

Ich erinnere mich noch wohl jener Sylvesternacht, da ichmeinenGespanen" von solchem Tanze heimführte es warum so mehr Christenpflicht, da ich ihren Zehen wiederholt sehrwehe gethan. Der Glockenklang verhallte in leisen Schwingungendurch die Mondnacht; beim Dorfbrunnen sang der Dorfwächtermit zitternder Stimme sein Neujahrslied von Schmidli und Bach-ofen; wie funkelnde Zähren schimmerten die Sterne über derstillen, armen Welt und der Ostwind umspielte uns wie derAthemzug des neuen Tages. Da kam unser alter Psarrer unsentgegen Gott hab' ihn selig oder geb' ihn uns für denneuen zurück und erkannte uns; wir wurden Beide roth wiegesottene Krebse, aber er sagte nichts und wir ebensoviel undvor der Hausthüre wünschten wir uns noch eing'segnets-freude-richs-glückhaftig-guets Neujohr".

Als ich dann etliche Tage später dem alten Herrn eine nahr-hafteHelsete" brachte, da kneipte er mich in die Wange und fragtelächelnd, wen ich am Sylvesterabend heimbegleitet habe.E. . .E. . . Chind", gestand ich etwas kleinlaut, auf das erhalteneTrinkgeld blickend, worauf er lachend meinte:Ja, soviel hätteer auch gemerkt, daß es kein reisender Handwerksbursch ge-wesen ..." Eine Blume auf dein Grab, du guter Mann! .. .Ach wie liegt so weit, ach wie liegt so weitWas mein einst war! . . .

Es summt mir in den Ohren, das alte schone Wckert'sche