Entrüstung anwiehern, und still vergnügt bei sich wenigstensdenken, was einst der nationalliberale Herr Bamberger in einemlichten Augenblick von sich und seinen Genossen offen sagte:„Hunde sind wir ja doch!" Macht geht vor Recht — habe dasnun Fürst Bismarck oder Herr von Roon oder Keiner von Beidengesagt, es ist daS eine Wahrheit, die zur Zeit in allen Landenihr Zeichen noch hoch aufgesteckt trägt und die Berliner Jungenhaben ganz recht, wenn sie die mit verbundenen Augen thronendeGöttin der Gerechtigkeit das „Blindeninstitut" nennen. Nichtder Einzelne übt das Faustrecht, sondern der Staat im Diensteeinzelner Gesellschafts-Klajsen hat dasselbe unter seine Knlturaus-gaben aufgenommen und in den Kirchen und Kapellen, wo dasherrliche Evangelium christlicher Bruderliebe gelesen und Friedeauf Erden und an den Völkern ein Wohlgefallen verheißen wird,ist der Chor geziert mit zerschossenen, blutigen Bannern und an-dern Trophäen. So sieht's aus in den Gotteshäusern des hoch-zivilisirten Europäers, welcher mit dem Ausdruck tiefsten Eckelssich von dem Bild der Hütten abwendet, in welchen die ameri-kanischen Rothhüute die Schädel ihrer erschlagenen Feinde para-diren lassen . . .
Doch das ist kein Grund, um in der Attitüde des Pro-pheten zu wehklagen, oder von Milch und Grahambrod die Re-generation des Menschengeschlechts abhängig zu machen.
Vorwärts und unverzagt angefaßt, was vor's Rohr kommt;jedes Frühjahr belaubt sich auf's Neue die Welt, auch wenn derSommer nicht jede seiner schönen Blüthen zur Frucht entfaltet,und warum sollte der Mensch verdrossen die Hände in den Schooßlegen, weil die Arbeit der Weltgeschichte ihren langsamen Weggeht und nicht den Sprüngen seiner über Hecken und Gräbensetzenden Phantasie folgt? Unsere Zeit liebt es, die Aechtheitder biblischen Wunder unterm Hinweis auf die in der Naturwaltenden Gesetze zu bekämpfen, aber für sie verlangt sie dochdas Wunder; sie will ernten, wo sie nicht gesäet, will Thatensehen, wo sie mit Worten geholfen. Die Geheimgeschichte desvielfachen Mißerfolges unserer Strebungen, unserer Zivilisation