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Von Norden aus dem Ohmthale bei Kirchhain 195,1 Meter überdem Meere beginnt eine sanft ansteigende Fläche aus Melanienthon, ausder sich bei 226 Meter Meereshöhe oder 30,9 Meter über dem Thal der inSäulen gegliederte Basalt erhebt. Gegen Norden liegt zunächst über derLindauer Kapelle eine bogenförmige Hügelreihe von 271,5 Meter absoluterHöhe vor, welche durch eine etwa 30 Meter tiefe schroffe Einkerbung vomHauptberge getrennt ist. Der Hauptberg bildet einen abgeplatteten Kegelmit fast kreisrunder Basis, dessen südwestlicher Rand am höchsten hervor-tretend sich etwa 20 Meter über die obere Fläche erhebt. Die absoluteHöhe seines höchsten Punktes beträgt 361,6 Meter, also 135,5 Meter überdem Ohm-Thale. — Der südliche Abfall geht rasch bis 282,5 Mtr. nieder(der Einschnitt ist also 79,1 Mtr. tief); dann erhebt sich derselbe in einemlang gestreckten schmalen steilen, südlich gerichteten, zweikuppigen Rücken,die Wenigenburg, zu 301,3 Mtr, um endlich steil bis zu 226 Mtr. Meeres-höhe abzustürzen. In dieser Höhe tritt das Tertiärgestein unter dem Basalthervor und beginnt die sanfte Verflachung, welche bei 195,8 Mtr. Meeres-höhe den Rulfbaeh erreicht.
Auf der Ostseite erhebt sich längs des Rückens der Wenigenburg biszum Hauptberge die Tertiärformation bis zu 263,6 Mtr. Höhe, so dass da-selbst der Basalt des mittleren Kegels eine Dicke von 98 Mtr. erreicht.Auf der Westseite legen sich an die Wenigenburg, da, wo sie sich demHauptkegel nähert, dünnblätterig gescliieferte, lehmartige Massen an, welchevielleicht als die Reste eines Aschenkegels betrachtet werden können, dertheils aus Staub, vulcanischem Gesteine, theils aus zerbröckeltem Thonund Sandstein der Tertiärformation zusammengesetzt in seiner Mitte dieflüssige Lava enthielt, aus welcher der Hauptkegel gebildet ward, die abertheilvveise oben überfliessend auch die seitlichen Rücken und Kuppen her-vorbrachte.
Als ich im März 1868 den Vesuv bestieg, fand ich, dass die seinemKrater entströmende Lava an dem Fusse des Kegels im Atrio del Cavallohohe langgestreckte Hügel aufwarf. Die Laven kamen in mächtigen Tropfenstossweise aus dem Krater, flössen auf der oberen Fläche des Kraterrandsruhig dahin und stürzten den steilen Kegelabhang herab, um sich vieleMeter tiefer an dessen Fusse zu jenen langen Rücken anzuhäufen. DieLaven der einzelnen Ergüsse schmolzen zu einer an 50 bis 60 Mtr. hohenrothglühenden Masse zusammen, auf deren steilen Seitenböschungen erkal-tete Schlackenbrocken herabrollten. — Die Wenigenburg sowohl, wie auchdie Hügel über der Lindauer Kapelle haben ganz die Gestalt und dasAnsehn solcher Lavarücken wie die amVesuve; der Aschenmantel, welcherden im Innern des Kraters erstarrten Lavakern von den aussen angehäuf-ten Massen trennte, bestand aus Staub und lockerem Material, er erlag ander Amöneburg der Erosion und ward fortgespült. Die harten festen Fels-