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Allgemeine geographische Meteorologie : oder Versuch einer übersichtlichen Darlegung des Systems der Erd-Meteoration in ihrer klimatischen Bedeutung / von A. Mühry
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Unsere meteorologischen Beobachtungen mittelst des Thermo-meters , dieses zuverlässigsten Instruments in der Meteorometrie,messen zunächst doch nur diese unregelmässigen Undulationen, wieschon gesagt ist, in welchen freilich die Fluctuation mit enthaltenist. Zwar sind sie vollständig nur mittelst der selbstregistrirendenThermometrographen in ihren Curven - Linien zu verfolgen und zuverzeichnen; indessen auch durch stündliches Ablesen und auchdurch das gebräuchliche dreimalige Ablesen an jedem Tage, etwain achtstündlichen Terminen, des Morgens um 6 h , des Nachmittagsum 2 h und des Abends um 10 h , werden bis zu einem gewissenGrade genügend die Undulationen und mit diesen die Fluctuationengemessen. Aus der Sammlung dieser Temperatur-Wellen für dieTage, Monate, Jahreszeiten und auch Jahresreihen hat sich bekannt-lich ergeben eine constante, mittlere Temperatur der einzelnen Orte,innerhalb aller vielfältigen scheinbaren Unregelmässigkeiten. Indemman dann über die Orte mit gleicher mittler Temperatur auf derKarte Linien zog, die sogenannten Isotherm-Linien, nach Hum-boldts unsterblichem Gedanken, erreichte man es, die geographi-sche Vertheilung der Temperatur auf der Erdkugel überblicken zukönnen, nicht nur für das Jahr, sondern auch für die verschiedenenMonate. Es entstand hieraus die Möglichkeit einer Auffassung derTemperatur-Verhältnisse der Erd-Oberfläche als eines zusammen-hängenden tellurischen Systems, sowohl mit seiner regelmässigen,dem Sonnenläufe folgenden jährlichen Schwankung, als auch ausser-dem mit seinen unregelmässigen Variationen, und seitdem wurdendie Temperatur-Verhältnisse der einzelnen Klimate und Orte deut-licher als Theile eines grossen Ganzen erkannt. Indem wir in derDarstellung der Temperatur-Verhältnisse auf der Erde fortfahren,nehmen wir noch einmal diese Gelegenheit wahr, um hervorzuheben,dass eben vorzugsweise die geographische Auffassung und Dar-stellung- der meteorischen Vorgänge das Eigenthiimliche dabei ist.

Demnach ist für uns die mittlere Temperatur des Jahres nichtdas nach meteorologischer Weise aus allen Monaten berechnete Mit-dl, sondern es ist für uns derjenige Stand des geographischen Sy-stems der Temperatur, oder der Isotherm - Linien, Avelchen dies ein-""mnt bei der mittleren Stellung der Sonne, bei deren CulminationÜber dem Aequator, bei ihrem Aequinoctial-Stande, d. i. im MonateO c t o b e r (der April eignet sich weniger dazu). In diesem Monate*®t die Vertheilung der Isotherm - Linien, oder besser gesagt derIsotherm-Kreise, der räumlich mittlere Temperatur-Stand der ganzen