16
Jahres-Bewegung; aber er stimmt -auch in der That sehr naheüberein mit dem meteorologischen, aus allen Monaten des Jahresberechneten Jahres-Mittel. Zu fernerer Erkenntniss des Umfangesder ganzen Temperatur-Vertheilung dient uns dann die Stellungdes Isothermen-Systems in den beiden extremen Monaten, im Ja-nuar und im Juli, d. i. in den Monaten zunächst den Solstitien,mit dem niedrigsten und mit dem höchsten Temperatur - Stande.(Bei Bestimmung derselben kann man wohl zur Zeit keinen besse-ren Führern folgen, als den in den zwei Werken H. Dove’s befind-lichen Karten, „die Verbreitung der Wärme auf der Oberfläche derErde “ 1852 und „Klimatologische Beiträge“ 1857).
Schon ein flüchtiger Blick auf das System der Isotherm-Ivreiselässt erkennen, dass ihre unsymmetrische Gestalt, mit ihren ungleichschwankenden Curven, bedingt ist durch den Unterschied vonLand und von Meer. Es ist daher erforderlich, zuvor das ver-schiedene Verhalten dieser beiden Elemente, ihre Reac-tion unter der Einwirkung der Sonnenstrahlung, näher, und jedesfür sich gesondert zu betrachten. Wir wissen im Allge-meinen, dass die Atmosphäre ihre Temperatur von der Sonne nursecundär mitgetheilt empfängt, nämlich durch Rückstrahlung vonder Oberfläche der Erde, dass das Festland rascher und stärker dieSonnen wärme annimmt, als das Meer, aber auch dass jenes sie ra-scher wieder verliert und sich tiefer abkühlt, zur Zeit der Abwesen-heit der Sonnenstrahlen. Es dient daher wesentlich zur Beurthei-lung der Temperatur-Verhältnisse der Atmosphäre, welche ja eigent-lich gemeint werden, wenn von der klimatischen Temperatur dieRede ist, diese ihre zwei Wärme-Quellen zuvor näher zu prüfenund sic in die Berechnung ziehen zu können. Es wird dann er-klärlicher, warum die Isotherm-Linien auf dem intertropischen Gür-tel fast das ganze Jahr hindurch ziemlich flach verlaufen, nur we-nig auf den Continenten sich erhebend; warum auf den höherenBreiten der Hemisphäre, aber nicht der Süd - Hemisphäre, etwa be-ginnend nördlich von der October-Isotherme von 16° R., ihre Cur-ven weit grösser werden, zunehmend mit dem Umfange der Con-tinente; warum sie auf den grossen Continenten im Sommer sohoch steigen, im Winter so tief sinken und gerade in der vor-kommenden Gestalt und Richtung, dagegen auf dem Ocean imSommer weit niedriger und im Winter weit höher bleiben, als aufden beiden grossen Continental-Bildungen von Nord-Amerika undvon Europa - Asien ; warum auch im Mittel des Jahres, und im