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Kleines Lese- und Lehrbuch der schweizerischen Volkswirtschaft / für den Schul- und Selbstunterricht verfasst von A. Furrer
Entstehung
Seite
9
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alle Kulturpflanzen des mittleren Europas Aufnahme gefunden.An den sonnigen Hängen der tieferen Lagen begegnet maneinem sorgfältigen und lohnenden Betriebe des Weinbaues,in den feuchteren Talsohlen einem reichen Graswuchse, da-zwischen auf nassen Gründen häufig auch Streuewiese». Allesübrige, einer systematischen Kultur überhaupt zugänglicheGelände, soweit es nicht durch den vorzugsweise auf Höhen-rücken, nördliche Hänge, steile Berglehnen und enge Tal-einschnitte etc. beschränkten Waldbau in Anspruch genommenwird, verteilt sich eben ausser auf Gärten auf Acker -und Wiesland, immer aber doch so, dass dem ersteren nurdie trockeneren, weniger geneigten, leichter bearbeitbaren,besser beleuchteten und nicht allzuweit von den Gehöftenentfernten Grundstücke überwiesen werden. Das Mittellandbildet zugleich den Hauptsitz einer schwunghaften Obstkultur.

Innerhalb dieser Region lässt sich indessen noch ein,zwar nicht über grössere zusammenhängende Flächen sichausdehnendes, aber doch wohl umschriebenes Gebiet abson-dern, welches die tiefer liegenden Landstriche am Südalpen-abhange einschliesst. Christ, der Verfasser des Buches «Pflanzen-leben der Schweiz » (erschienen bei F. Schulthess in Zürich ,1879), gab ihm die Bezeichnung: Insubrisches Gebiet. Indasselbe fallen die Tallandschaften an der Südgrenze mitihren Seegestaden, ausgezeichnet durch die Ueppigkeit desPflanzenwuchses und das Vorkommen von Gliedern der Mittel-meerflora. Es sind jene gesegneten Distrikte, in welchen vorallem die Rebe, die Maulbeere und der Mais in der regel-mässigen Kultur vertreten sind, aber auch der Oelbauin, dieFeige, die Granaten und die Mandel ohne den mindestenSchutz zu grosser Vollkommenheit gedeihen, und selbst Li-monen, Lorbeeren, Cypressen, japanische Mispeln etc. imFreien aushalten. Anklänge an die südliche Vegetation dieservon der Natur ungewöhnlich bevorzugten untersten Talstrichegeben sich übrigens auch noch in den nördlich anschliessendenhöheren Tallagen Tessins zu erkennen, wo z. B. noch die