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Kleines Lese- und Lehrbuch der schweizerischen Volkswirtschaft / für den Schul- und Selbstunterricht verfasst von A. Furrer
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Ihr, die es angeht und künftig angehen mag, habt einwachsames Auge auf die Vorgänge im Auslande, die daraufhinzielen. Euere Käse überflüssig zu machen! Wisst, dasses bald kein Land mehr gibt, wo die Käsefabrikation nichtschon mehr oder weniger Fuss gefasst hätte und dass selbstEuere Alpen Euere Nachahmer nicht hindern, es Euchgleichzutun. Also wahret eifersüchtig Euere durch jahr-hundertlange Praxis erworbenen Vorteile, ernähret und pflegetEuer Vieh so, dass eine gesunde Milch entsteht, haltet EuereKäserei rein wie einen Hochzeitssaal und betrachtet denKäserei-Inspektor,* den die Behörden bei Euch einführen,als Eueren guten Freund und nicht als Vogt.

Das Ackerland dient kaum zur Hälfte dem

Getreidebau. Es werden gepflanzt: Weizen, Dinkel ,Emmer, Einkorn, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Hirse, Buch-weizen. Für die Getreidekultur eignet sich der schweizerischeBoden weit weniger als für die Graskultur und man kauftdas Getreide billiger im Auslande als man es im Inlandeerzeugt. Deshalb und weil eben der Boden sich rentablerfür die Futtererzeugung verwenden lässt, beschränken dieschweizerischen Landwirte den Getreidebau auf das Not-wendigste, d. h. ungefähr auf das Maass, das ein hinreichendesQuantum Streuematerial (Stroh) für das Vieh erzielen lässt.Ehemals stand der Getreidebau in höheren Ehren, ja erbildete den Hauptzweig der Landwirtschaft,** denn die Ge-treidezufuhr aus dem Auslande war kostspielig und für dieWiesen- und Weidewirtschaft lagen die Verhältnisse nochnicht so günstig wie heute.

* Hoffen wir, dass demKäserei-Inspektor bald derLandwirt-schafts-Inspektor folgen möge, der von Hof zu Hof reist, um an Ortund Stelle kostenfrei Rat und Anleitung zu praktischen Verbesserungenzu geben.

** Es ist durch Funde der Pfahlbautenforscher nachgewiesen,dass der Getreidebau schon zur Pfahlbautenzeit in grossem Umfangund mit Sorgfalt betrieben wurde. Es gab damals schon 11 Getreide-sorten.

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