Das schweizerische Volkswirtschaftssystem.
Wer Bücher lind Schriften über die Volkswirtschaft liest,st-össt oft auf die Ausdrücke « Landwirtschaftssystem», «Agri-kultursystem», « physiokratisches System», « Natur herr-schaftssystem», «Handelssystem», «Merkantilsystem», «In-dustriesystem », « Schutzzollsystem », « Freihandelssystem ».
Die vier ersten Ausdrücke bedeuten eins und dasselbeund beziehen sich auf die vom Franzosen Francois Quesnay um die Mitte des vorigen Jahrhunderts entwickelte Lehre,dass alle Güter aus der Natur entspringen und daher derLandbau die Grundlage der Volkswohlfahrt, somit auch der-jenige Zweig der Volkswirtschaft sei, der am ehesten dieBeachtung der staatlichen Behörden verdiene.
Mit dieser Lehre stellte sich Frangois Quesnay in Gegen-satz zu der ehemaligen Wirtschaftspolitik des französischen Staatsmannes Colbert (geh. 1619, gest. 1683), der nicht demLandbau sondern dem Handel die grösste wirtschaftlicheBedeutung beigemessen und demgemäss Handel und Industrieprivilegirt hatte. Colberts Volkswirtschaftssystem ist als « Mer-kantilsystem » (Handelssystem) bezeichnet worden.
Als «Industriesystem» gilt dasjenige System, nach wel-chem alle Zweige der Volkswirtschaft gleichmässig durch volleFreiheit der Arbeit geschützt werden sollen. Es wurde vor-geschlagen von dem schottischen Gelehrten Adam Smith (geb. 1723, gest. 1790). Da er, um von der Arbeit zu sprechen,das englische Wort « Industry » brauchte, hat man seinerLehre den Namen « Industriesystem » gegeben.
Das «Schutzzollsystem » sucht bald die Urproduktion,bald die Industrie oder beide gleichzeitig zu fördern, und