Lichtes beschäftigt und durch Erfolge erfreut, die in früheren Programmen gebührend hervorgehoben wordensind, glaubte er diesen Studien, die Unterbrechungen nicht leiden, sein Schulamt opfern zu müssen und zogsich deshalb ins Privatleben zurück. Das ganze Collegium hat den liebenswürdigen und stets gefälligenCollegen sehr ungern scheiden sehen und begleitet sein Leben wie seine Untersuchungen mit regster Theil-nahme. — Am 20. December entließen wir mit herzlichsten Segenswünschen den vierten Oberlehrer, Hrn.Friedrich Schneider . Seit Michaelis 1841 an der Anstalt zunächst als Hülfslehrer beschäftigt unddann fest angestellt, hat er dreißig Jahre lang an der Königl. Realschule vornehmlich das Englische ver-treten, jedoch auch anderen Unterricht ertheilt, hauptsächlich, seinen früheren Studien entsprechend, Religion.Charakteristisch ist für ihn von je gewesen und bis ans Ende geblieben die Treue seiner Hingabe an Amtund Schüler, die ihn körperliche Schwächen und Schmerzen überwinden ließ und allen Nöthen und Ent-behrungen Trotz bot. Selbst das lange und schwere Siechthum seines beim Lazaretdienst im Kriege gegenFrankreich erkrankten einzigen Sohnes vermochte nicht ihn an Erfüllung seiner Pflichten zu verhindern,und erst der Tod dieses braven, hoffnungsvollen Jünglings knickte den Muth und die Kraft des schwerge-prüften Vaters. Wohl war ihm daher die Ruhe zu gönnen, um die er die Behörden bat und deren un-getrübten Genuß für noch recht lange Zeit wir ihm von ganzem Herzen wünschen. — Noch schmerzlicherfür uns, weil durch den Tod herbeigeführt, war der Verlust, den wir zwei Tage später erlitten, als unserlieber Freund und College, der Gesanglehrer Colberg, am 22. December ganz plötzlich starb.
Carl Friedrrch Franz Colberg war zu Berlin am 1. October 1822 geboren, der Sohneines hiesigen Kaufmanns. Seine Schulbildung empfing er in der Realschule; Michaelis 1838 verließ ersie als Ober-Tertianer, um in eine hiesige Seidenwaarenhandlung (Baudouin) einzutreten, wo er drei JahrLehrling, ein halbes Jahr, bis Ostern 1843, Commis war und sich durch unverdrossene Thätigkeit, Redlich-keit, Rechtschaffenheit und Zuverlässigkeit sehr empfahl. Jetzt beschloß er sich zum Sänger auszubilden undwählte sich vier Musik-Directoren, Schneider und Hase, Pros. Le Cerf und Kapellmeister Otto Nicolai , zuLehrern. Schon 1846 versuchte er auf dem Theater in Halle aufzutreten, gewann zwar großen Beifall,erkannte aber, daß er in dieser Laufbahn keine Befriedigung finden werde, und kehrte in die Heimat zu-rück. Sogleich trat er in den emporblühenden Domchor ein, in welchem er schon seit 1843 thätig gewesenwar, und blieb demselben bis zum Lebensende treu. Hier nährte er seinen frommen, religiösen Sinn, fandseine Freude daran mit seinem Talent der Kirche zu dienen und wandte sich bald auch dem Berufe einesGesanglehrers zn. In mehreren Privatschulen fand er zuerst die gewünschte Gelegenheit für seinen Lebens-zweck zu wirken und erntete überall durch seine persönliche Haltung, seinen anregenden Umgang mit derJugend und seinen erfolgreichen Unterricht den entschiedensten Beifall. Schon im Jahre 1848 verheirateteer sich. Als der zweite Gesanglehrer der Realschule, Dr. Angermann, erkrankte, vertrat er zuerst dessenStelle in Sexta, Quinta und Quarta, und nach dessen Tode, i. October 1855, wurde er sein Nachfolger.In diesem Elementar-Unterricht leistete er Vortreffliches und seine Disciplin war vorzüglich, sein Unterrichtbelebend; es gelang ihm die Kinder zu reinem, schönem Gesang zn führen, ihre Stimmbildung zu fördern,sie mit Lust und Liebe zu erfüllen. Wo er bei Prüfungen und öffentlichen Festlichkeiten der Schule mitihnen auftrat, erfreute und erbaute er die Anwesenden. Auch in der Angustaschule, in den Privatschulendes Schulvorstchers Senz wie der Frau Dr. Burtin u. a. leitete er mit gleichem Erfolge den Gesang-Unterricht in allen Klassen. Als der Hr. Oberlehrer Fischer, der erste Gesanglehrer, starb, übernahm er1. Januar 1864 dessen Stellung und setzte seitdem seine ganze Persönlichkeit für die Zwecke des Gesang-Unterrichts mit dem glänzendsten Erfolge ein. Choral und Volkslied gediehen gleichmäßig; er wählte dieGesangstücke mit Rücksicht auf Geist und Herz der Jugend, zeigte, wie viel daran liegt, daß der Lehrerdurch eigenes Singen das Vorbild seiner Zöglinge wird, ermüdete nicht den Elementen in Theorie undPraxis seine volle Kraft zuzuwenden, wies jedem seiner Schüler die rechte Stelle an, wo er am meistenleisten konnte, und machte die Festigkeit derselben zur Hauptstütze seines Unterrichts. Alljährlich veranstalteteer größere Aufführungen für Gesang und Musik, für die er einen großen Vorrath schon immer in Bereit-schaft hatte, und erntete stets die verdiente Anerkennung. Dabei war er gegen alle Menschen freundlichund liebenswürdig, seinen Collegen gegenüber gefällig und dienstfertig, allem Zwist und Streit fremd undunzugänglich, stets bescheiden und selbstlos. Sein ganzes häusliches und weltliches Leben hat ihn Allen,mit denen er in Berührung kam, lieb und werth gemacht.
Ganz unerwartet trat in den letzten Wochen des Jahres ein Unwohlsein ein, welches seine Familieveranlaßte um einen kurzen Urlaub für ihn zu bitten. Als die Folgen schon gehoben zu sein schienen, er-folgte ein ernster Unterleibskrampf, und als auch dieser beseitigt schien, erkrankte er an einer gefährlichenBauchfell-Entzündung, die sehr schnell seinen Tod herbeiführte. Er starb in der Nacht vom 21. zum22. December, nachdem er von allen den Seinen Abschied genommen und seine Frau und drei Kinder ge-segnet hatte, blieb bis zuletzt bei vollem Bewußtsein und entschlief sanft unter den Thränen der Seinen.— Sein Andenken bei uns wird stets ein gesegnetes sein.
Zum Ersatz für die Genannten haben bisher bei uns gewirkt die Herren Schulamts-CandidatenCarl Muthreich, Friedrich Großmann und Gustav Bereut; die Stelle Colberg's hat seit Neu-jahr mit voller Kraft vertreten der Königl. Domsänger Herr Carl Preiß. Nur ihrer Treue und derGeschicklichkeit, mit welcher sie sich in die ihnen fremden Verhältnisse und Bedürfnisse unserer großen An-