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statt zu finden wußten, verdanken wir es, daß die Realschule durch so viele und so große Verluste nicht ernst-lich erschüttert worden ist. — Ihr Probejahr begannen in der Anstalt die Candidaten Wilhelm Köhlerund Otto Hubert, von denen ersterer jedoch schon zu Neujahr an das Gymnasium in Bromberg be-rufen worden ist.
b) An der Elisabethschule. Mit dem Schluß des Wintersemesters, 1. April 1871,trat der Professor l)r. Wernicke auf seinen Antrag in den Ruhestand, nachdem er 35 Jahre hindurch derAnstalt in Liebe und Treue seine Dienste gewidmet hatte.
Carl August Theodor Wernicke , geb. zu Berlin am 16. Sept. 1813, besuchte das Friedrich- Wilhelms-Gymnasium und die Universität zu Berlin , studirte Theologie und unterwarf sich am 28. Febr . 1834der Prüfung pro sollols. Nachdem er zwei Jahre als erster Lehrer an der höheren Knabenschule inDriesen beschäftigt gewesen war, ging er Ostern 1836 zu der Elisabethschule über, wurde 1847 Oberlehrer,unterrichtete in Religion, Deutsch , Rechnen, Geschichte und Geographie und blieb der Anstalt treu, biswachsende Kränklichkeit ihn zwang in den Privatstand zurückzutreten. In der Schule zeichnete er sich durchPünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit aus, lebte mit allen Collegen in vollster Eintracht und Uebereinstimmung,wirkte kräftig für gute Ordnung und Disciplin, rief durch die Lebendigkeit seines Wesens gute Fortschritteseiner Schülerinnen hervor, gewann durch die Tüchtigkeit seines Unterrichts und durch sein mildes freund-liches Wesen Achtung und Liebe und war so ein sehr eifriges Mitglied des Lehrer-Collegiums. Auch alsSchrifteller war er thätig und dehnte dadurch den Kreis seiner Wirksamkeit weit über die Grenzen unsererSchule aus. Sein „Lehrbuch der Weltgeschichte für höhere Töchterschulen" hat seit 1849 eine großeReihe von Auflagen erlebt. Seine „Geschichte der Welt" ist seit 1850 in vier Bänden gedruckt undoft wiederholt worden. Endlich hat auch sein Leitfaden für den vorbereitenden Gcschichts-Unterricht vielBeifall und Verbreitung gefunden. Wir sind ihm immer Dankbarkeit schuldig und werden sein Andenkenstets in Ehren halten. —
Da sofort einen Ersatz zu beschaffen nicht möglich war, so fand mit Genehmigung der Behördeim Sommer eine Vertretung der Lehrobjecte des geschiedenen Amtsgenossen durch Lehrerinnen des Colle-giums sowie durch den Schulamts-Candidaten Herrn Felix Bachmann, welcher schon mehrfach an derAnstalt erfolgreich gewirkt hatte, statt. Beim Beginn des Wintersemesters trat sodann der von den HohenKöniglichen Behörden zum Nachfolger des Pros. Wernicke ernannte Herr Oberlehrer Dr. Bornhak, bisdahin an der Realschule zu Nordhausen thätig, in das Collegium ein und wurde am 16. Oktober 1871 vondem Director feierlich in sein neues Amt eingeführt. Er übernahm das Ordinariat der Klasse II. Seinebisherige Wirksamkeit an der Elisabethschule berechtigt zu den erfreulichsten Hoffnungen. Ueber seinen Le-benslauf berichtet er selbst mit folgenden Worten: Gustav Adolf Emanuel Bornhak, geboren am30. Januar 1828, besuchte die lateinische Hauptschule des Waisenhauses zu Halle a. S., studirte daselbstnach abgelegtem Maturitäts - Examen klassische Philologie, deutsche Litteratur und Geschichte und trat,nachdem er das Examen pro tnoultuts ckoosncki bestanden, das Probejahr an dem Königlichen undStadtgymnasium zu Cöslin an. Nach Beendigung desselben folgte er, nachdem er zuvor am 30. Juli 1857mit der Dissertation „cks Araoontz tinAuuo llvt6rooliti8 «t uiotaplusti» voonbuUs" promovirt hatte, einemRufe als Collaborator und Erzieher an die lateinische Hauptschule zu Halle, welchem Amte er bis Michaelis1859 vorstand. Hierauf übernahm er die Stelle eines ordentlichen Lehrers an der neu gegründeten höherenBürgerschule zu Hagen , welche er Michaelis 1860 mit einer gleichen an der Realschule zu Nordhausen vertauschte. Diese Stelle hatte er bis Michaelis 1871 inne, worauf er einem Rufe an die Königliche Eli-sabethschule zu Berlin folgte.
o) An der Vorschule sind Veränderungen im Lehrer-Collegium nicht eingetreten.
3. Schul-Feierlichkeiten. Am 25. März v. I. veranstaltete unser verstorbener CollegeColberg eine Musikaufführung zur Nachfeier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers undKönigs, deren Ertrag mit 25 Thlr. 25 Sgr. dem Central-Comit« für verwundete Krieger übergebenwurde. — Die Vorfeier der Rückkehr unserer siegreichen Truppen wurde am 15. Juni nach fol-gendem Programm begangen: Gemeinsamer Gesang mit Orgelbegleitung „Allein Gott in der Höh' seiEhr"; Grell's Motette „Hallelujah, lobet den Herrn" vom großen Chor unter Hrn. Colberg's Leitung;Ansprache des Directors „Ueber die Herrlichkeit des Sieges und den Segen des wiederhergestelltenFriedens"; Chor aus Romberg's „Glocke" über den Frieden, und Händl's „Seht, da kommt mit Preisgekrönt", vom großen Chor unter Hrn. Colberg's Direction; Festrede des Prorectors über dasThema: „Ihr seid die Rekruten des Kaisers". Nach Schluß derselben übergab der Prorector dem kriiuu»omoium Carl Schwarz, dem Ober-Secundaner Jean Fasquel und den Unter-Secundanern Her-mann Noack und Waldemar Kulinowsky die von der Stadt gespendeten Bücher und aus eigenenMitteln, als Anerkennung und zur Aufmunterung, Erinnerungs-Medaillen in Etuis den Sextanern Ba-stian, Buchholz, Budeweg und Caplick, den Quintanern Frick, Oehme, Mehlitz und Wolden,den Quartanern Caplick, Haslinger, Lawendel und Wünsche, den Unter-Tertianern Fasquel,Krzysika, Franz Müller und Georg Schüler, den Ober-Tertianern Knippenberg, Petsch, Sei-ler und Voigt und den Unter-Secundanern Firgau, Seidel, Triebler und Tuchnrtz. Den Schlußder Feier bildete der gemeinsame Gesang des ersten Verses von „Heil Dir im Siegerkranz " den College
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