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Das Problem der Tautochronen / von Dr. C. Ohrtmann
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Kawerau auf der Orgel begleitete. Zum Einzüge selbst hatten 40 Schüler und 4 Lehrer Billets zurTribüne auf dem Ascanischen Platze erhalten. An der Vorschule hielt die Festrede Oberlehrer vr.Schnell. Aehnlich feierten wir am 2. September den Jahrestag der Schlacht bei Ssdan.Am 2. November hielt zur Feier des Reformationsfestes die eigentliche Festrede College Dr. LöwUeberLuther's politischen Einfluß", welcher zwei kürzere Ansprachen der Ober-Primaner Ernst Wonnbergerund Emil Usbeck über Luther und Apostel Paulus folgten. Ersterer erhielt die Denkmünze des Ma-gistrats, Letzterer aus dem Ritter'schen LegateGellert's geistliche Lieder". Der Bibelschatz der Anstaltwurde durch Hinzufügung von 12 neuen Exemplaren vollkommen abgerundet. Die von Hrn. Hofbuchhänd-ler Alexander Duncker freundlichst geschenkten zehn Kupferstiche nach Kaulbach's Zeitalter der Refor-mation waren zu spät eingegangen und wurden daher erst zu Weihnacht vergeben und zwar an die Pri-maner Max Schwarz, Mantey, Fasquel und Limann, an die Ober-Secundaner Koppe und Atz-rott und an die Unter-Secundaner Braun, Gelpcke, Haslinger und Scharffenstein. Am 18. Ja-nuar d. I. begingen wir die Jahresfeier der Proclamation des deutschen Reiches mit einer Fest-rede des Prorectors, nach welcher C. v. Dachroeden'sWilhelm der Siegreiche", componirt von EdwinSchultz, unter Leitung des Gesanglehrers Hrn. Preiß zum ersten Male vierstimmig vom großen Chörevorgetragen wurde. Am 30. desselben Monats veranstaltete der Director eine Todtenfeier zum Andenkenan den verstorbenen Gesanglehrer Colberg, welcher die Angehörigen desselben beiwohnten. Der Chorleitete dieselbe ein durch den Bortrag des Mendelssohn'schen Liedes:Es ist bestimmt in Gottes Rath",und der Gesanglehrer Hr. Preiß schmückte sie durch die ArieSei getreu bis in den Tod", die Hr. Ka-werau auf der Orgel begleitete. Den Geburtstag Sr. Maj. des Kaisers und Königs werden wir am22. März in üblicher Weise feiern.

Die Elisobethschule feierte die hervorragenden Momente des letzten siebenmonatlichen Kriegs-und Siegeszuges unsers Heeres in mehr stiller, aber innerlich erhebender und theilnahmevoller Weise;auch bethätigte sie ihren Patriotismus durch Geldsammlungen und Anfertigung von Bekleidungsstücken fürdie Verwundeten sowie durch Unterstützungen an die Familien im Felde stehender Berliner Lehrer. Inbesonders freudiger und daukvoller Stimmung beging sie am 22. März 1871 den Geburtstag Sr.Majestät des Kaisers und Königs, an welchem Professor Dr. Schönermark in der Festrede eineUebersicht über die historische Vergangenheit des Elsasses mit specieller Hervorhebung der reichen deutschenCulturmomente seiner Geschichte gab. Freitag, 5. Mai 1871, erfreute Ihre Majestät die Königin-Witweals Hohe Protectorin der Elisabethschule letztere mit einem mehrstündigen Besuche, bei welchem die HoheFrau mit herzlicher und eingehender Theilnahme dem Unterrichte der einzelnen Klassen zu folgen geruhte.Donnerstag, 15. Juni, am festlichen Tage der höheren Orts angeordneten Vorfeier der Schulen zum Einzugunserer siegreichen Truppen, fand nach kurzen Ansprachen des Oberlehrers Dr. Bachmann und des Pros.Dr. Schönermark von Seiten der Schülerinnen eine erhebende Feier durch den Bortrag bezüglicher pa-triotischer Lieder und Gedichte statt. Am 28. Juni veranstaltete Professor Commer eine mit Decla-mationen verbundene Gesang-Aufführung, welcher die besonders eingeladene Zuhörerschaft reichen Beifallzollte. Sonnabend, 18. November, wurde in einer festlichen Vorfeier der Namenstag Ihrer Majestätder Königin-Witwe durch eine Festrede des Oberlehrers vr. Bornhak sowie durch Festgesänge und be-zügliche Vortrüge der Schülerinnen in gebührender und herkömmlicher Weise ausgezeichnet.

Die Gesundheitsverhältnisse der Schülerinnen der Elisabethschule waren im Allgemeinen nichtungünstiger Art, wenn auch für einzelne derselben im Sommer längere Erholungsreisen, im Winter Heim-suchungen durch die herrschenden Krankheiten die Erfolge des Unterrichts beeinträchtigten. Durch schwereErkrankungen wurden leiderdem Unterricht auf längere Zeit entzogen: Lehrer Laqui ante, v.41.28. August 1871und Professor Dr. Schönermark, vom 21. November bis zum Schluß des Jahres. Mit dem neuenJahre konnte letzterer jedoch seinen Unterricht wieder aufnehmen. Beide wurden bereitwilligst durch dasCollegium vertreten, letzterer in anzuerkennender Weise noch durch Frl. Griese, welche einige Stundenin 4r4. übernahm.

4. Die Ferien haben nach Lage und Dauer ganz den Vorschriften entsprochen. Der Hitzewegen mußten am 14. und 15. August und auch am 5. September die Nachmittagsstunden, und der Volks-zählung halber am 1. December sämmtliche Stunden ausfallen.

5. Der Witwenkasse der vereinigten Anstalten ist im vorigen Jahre durch Verfügung desKöniglichen Schul-Collegiuius der Provinz Brandenburg das Ober-Einnehmer-Witwe-Lehmannsche Legat,bestehend in einer Schuldverschreibung der consolidirten Staats-Anleihe über 1000 Thlr., L 4'/-"/«, überwie-sen worden, dessen Zinsen nach den Bestimmungen der Geschenkgeberiu die jedesmalige Director-Witwe, inErmangelung einer solchen die unversorgten minorennen Kinder des Dircctors und, wenn auch solche nichtvorhanden sind, anderweite Lehrer-Witwen der Realschule sveut. der übrigen mit derselben vereinigtenSchul-Anstalten als Pension erhalten sollen.

Die Kasse besitzt demnach jetzt eine Hypothek von 7000 Thlr., außerdem in Werthpapieren4700 Thlr. und beim Abschluß des Jahres 1871 einen Baarbestand von 150 Thaler 14 Sgr. 1 Pf-, zusammenalso 11P50 Thlr. 14 Sgr. 1 Pf.; ihr Vermögen hat sich demnach (inol. des oben genannten Legats von1000 Thlr.) um 1798 Thlr. 21 Sgr. 9 Ps. vermehrt. Dagegen ist aber auch die Zahl der Witwen