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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
Entstehung
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37
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von Deukalion

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jüngst noch gepflügt; jener fährt über saatland oder denfirst eines begrabenen landhauses; dieser fasst einen fischim wipfel des ulmbaums .... und wo schlanke ziegen grasgerupft, da legen jetzt unförmliche robben ihre leiber hin ....in den Wäldern hausen delphine, rennen an die hohen ästeund stossen an die bewegten eichstämme. Ein bedeutenderdichter muss das Vorbild, das Horatius und Lykophron voräugen hatten, geschaffen und dem Vorgänger des Ovidius den anstoss zu einer ausgeführten Schilderung gegeben haben.Es kann nicht wohl ein anderer als Alkaios gewesen sein.Aber sicherlich hatte er die sintfluth nicht um ihrer selbstwillen geschildert, sondern sie wie Horatius als Schreck-gespenst der durch unglückdrohende Vorzeichen geängstigtenmitbürger berührt. Auch für Pindaros ist die der mensch-heit Untergang bereitende Überschwemmung eines der übel,das durch die von ihm besungene sonnenfinsterniss verkündetsein könnte (fr. 107 -, 16 ). Nicht einmal dies kann als er-wiesen hingenommen werden, dass Alkaios die fluth, die erschilderte, ausdrücklich als die Deukalionische bezeichnethabe; diese beziehung könnte sehr wohl erst von den be-nutzern zugefügt sein.

Die einzige dichterische darstellung der sintfluth ver-danken wir dem Ovidius . An seine Schilderung der vierweltalter reiht er die erzählung von den himmelstürmendenGiganten (met. 1 , 151 ff.) und lässt aus deren blute eingeschlecht gottloser, mordgieriger menschen entstehen. Umsie zu versuchen, steigt Zeus auf die erde nieder undkehrt bei Lykaon ein. Er muss es erleben, dass nicht nurwährend der nacht ein mordversuch gegen ihn gerichtet,sondern auch das fleisch eines geschlachteten Molosser-knaben ihm zur speise vorgesetzt wird. Die rache, die eran dem frevler durch Verwandlung in einen wolf genommen,genügt dem himmelsvater nicht; er bescliliesst, das ganzegeschlecht dieser sündigen menschen durch wassersnoth zuvernichten. Die Überschwemmung und ihre folgen werdenausführlich geschildert ( 262 312 ). Erst zum Schlüsse