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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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Von Apameia in Phrygierl

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(fig. 1). Aus einer geöffneten truhe, unter welcher wellenangedeutet sind, ragen ein mann und eine frau hervor, dieVorderseite des kastens trägt die inschrift NQ. Auf demrande des aufgeschlagenen deckeis sitzt eine taube; eineandere kommt mit einem zweige von links angeflogen. Linksvon dem kästen steht ein gleiches paar, voran die voll-bekleidete frau, der ebenso wie der frau im kästen ein schieiervom hinterkopf über den nacken herunterfällt. Rechts vonihr der mann in einem bis zu den knieen reichenden chiton,ein obergewand über den linken arm geschlungen. Beideblicken aufwärts und erheben die rechte zur adoration; siestehen auf dem trockenen, und es wird dadurch im gegen-satz zu den wellen unter der truhe mit unverkennbarer ab-sicht eine verschiedene zweite scene angedeutet. Es wareine merkwürdige verirrung, wenn man daran dachte in demausgestiegenen paare Deukalion und Pyrra, in dem anderenNoah und seine frau zu sehen. Der stempelschneider hatsicher nicht so gedacht. Sonst würde er nicht bemüht ge-wesen sein die beiden paare bis auf die einzelheiten von hartund haar gleich zu gestalten.

Die öftere anwendung des mtinzstempels beweist, dasser für die stadt eine besondere bedeutung hatte. Es muss diesintfluthsage dort in der weise Realisiert gewesen sein, dassdie landung der truhe an einen berg der stadt oder ihrerUmgebung geknüpft war; höchst wahrscheinlich wurde dietruhe selbst oder ein rest derselben an der stätte gezeigt, wosie gelandet sein sollte. Auch sonst wusste man in Phrygien von der grossen fluth: man erzählte von dem alten Phryger-könig Nannakos, er habe die drohende sintfluth vorhergewusstund seine leute veranlasst, in den tempeln um abwendungdes Übels zu beten 1 2 . Die spur des Nannakos führt nach Pes-

1 so zb. JFriedländer ao. s. 178 der ersten ausg; 1873, auchin die zweite ausg. von 1877 s. 226 übergegangen.

2 Zenol). prov. 6, 10 und die in der Göttinger Sammlung dort1, 164 beigebrachten parallelen. Pessinus nennt als herrschersitz derKodleianus, die sage von Ikoniou gibt Steph. llyz. p. 329, 17f. Vgl.

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