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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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II Deukalion

wichtig, dass auf derselben insel, auf welche man die ge-hurt und kindheit des gottes verlegte, auch der name desDeukalion heimisch war. Die mythische Persönlichkeit istzwar verblasst und durch jüngere schichten der sagenbildunggleichsam unterdrückt; die litteratur hat von ihr wenigmehr 1 bewahrt, als was wir aus Homer (N 450 f. T 178 ff.)wissen, dass Deukalion sohn des Minos und der Pasiphaeund vater des Idomeneus war, den die Ilias (N 307) geradezuAeuKaXibr)«; , sohn des Deukalos nennt. Aber schon dieswenige genügt, um zu sehen, dass die gestalt des Deukalionfest in die landessage von Kreta eingewebt ist, also heimischund nicht von anderwärts entlehnt war. So ist denn diefolgerung berechtigt, dass auch den Kretern die Vorstellungdes neugeborenen himmelsgottes sich zum begriff des Aeu-KCtXo«; AeuKaXiuuv verdichtet hatte. Diese Vorstellung ist,so viel wir sehen, auf Kreta mit der fluthsage nicht in Ver-bindung gesetzt worden. Andere bilder hat dort die sagebeliebt. Das geläufigste und eigenthümlichste ist doch wohlder von den Kureten um das Zeusknäblein aufgeführtewaffentanz der pyrriche. Auf münzen der provinz Kreta 2ist Khea, auf felsgestein sitzend, in der linken das Zeus-knäblein haltend, dargestellt, rechts und links von ihr einKurete. Ich glaube erwiesen zu haben 3 , dass in diesersage der alte über die trennung unserer europäischen Völker

1 dahin gehört die angabe, dass Theseus von Menestheus ausAthen vertrieben nach Kreta zu Deukalion fährt, aber nach Skyrosverschlagen wird (Paus. I 17, 6) oder dass Theseus den Deukalionerschlägt (Kleidemos fr. 5 bei Plut. Thes. 19). Hier ist also Deu-kalion dem Theseus gegenübergestellt, wie sonst Lykos oder Lyko-medes (Rhein , mus. 53, 373 f.), eine zwar ganz bei Seite geschobene,aber wie die quelle, ein Atthidenschreiber, beweist, echte Überlieferung:die gleichwerthigkeit des Deukalion mit Lykos oder Lykomedes istebenso deutlich, wie der sinn des zu gründe liegenden mythus(s. ao. 365 ff.).

2 abgebildet bei Svoronos, Numismatique de la Crete anciennetaf. xxxin n. 2324.

3 Rhein , museum 1894 b. 49, 4647.