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III Das götterknäblein in der truhe
Donau an das ufer geworfen. Ein klosterbruder findet esund trägt es nach dem kloster; wie er es öffnet, lacht ihmein junges knäblein von kaum 7 tagen entgegen.
Die germanische heldensage hat das bild verwendetbei Sigurds gebürt. Nach der Vilkinasaga 1 wird Sisilia, deruntreue fälschlich beschuldigt, auf befehl ihres gemahlesSigmund in den wald geführt, um dort ausgesetzt zu wer-den. Draussen im walde geriethen die beiden grafen, denensie ausgeliefert war, in streit. Während sie ihren Zwei-kampf ausfochten, wurde die königin von einem knabenentbunden. Sie legte ihn in ein gläsernes gefäss, worinmeth gewesen war und verschloss dies. Der eine der käm-pf er stiess im fallen an das gefäss, so dass es ins meerrollte; die königin überlebte die entbindung nicht. Das ge-fäss wurde schliesslich an den st-rand gespült und zerbrachdabei. Den knaben aber säugte eine hirschkuh an die zwölfmonate, bis ihn der schmid Mimer fand, der ihn aufzogund Sigurd nannte. Hier ist das uns bekannte bild ver-einigt mit der anderen sehr häufigen Vorstellung, dass dasgöttliche knäblein ausgesetzt, und durch die milch eineswilden thieres ernährt wird. So säugt eine ziege das Zeus-knäblein, und nach der sage von Elyros auf Kreta diezwillingssöhne der Akakallis, Phylakides und Philandros(Paus. X 16, 5), eine kuh die Zwillinge der Melanippe (NauckFTG p. 509 f.), eine hirschkuh den Telephos, den gleich zuerwähnenden Habis und einen heros der Osker von Capua (Carelli taf. 69, 14), eine hündin den Kyros , eine wölfinden sohn des Apollon und der Akakallis, Miletos (Antonin.Lib. 30 ua.), den heros der münzen von Kydonia 2 , Romulus
1 GLange, Untersuchungen über die nordische und deutscheheldensage aus PEMiillers Sagabibliothek bd. II (Frankfurt a. M. 1832)
s. 184 f.
2 abgeb. bei Svoronos, Numismatique de la Crete anciennepl. IX n. 22—26 x n. 12—14. 21. 26. Der städtische eponyme Kydongalt als sohn der Minostochter Akakallis und des Apollon (Steph. Byz.p. 390, 18) oder des Hermes (so Paus, vm 53, 4); man darf auf ihn