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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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IV Schiff

einen mit flatterndem band gezierten thyrsosstab, in der rech-ten einen kantharos haltend; ihm zu füssen sitzt Ariadne ,bekleidet * 1 2 . Das ruhebett ist in allen einzelheiten sorgfältigdargestellt mit geschweiften lehnen, gedrechselten beinen undpolster; aber es ist auf den rücken eines maulthieres gestellt,das im schritt einhergeht. Ein bärtiger, nur mit stiefeln aus-gerüsteter, sonst nackter Satyr mit pferdeschwanz und thieri-schen obren führt das maulthier, indem er sich das halfterum den rechten arm geschlungen; er selbst tanzt die doppel-flöte blasend voraus, das rechte bein hoch erhoben. Hinterdem maulthier ist ein lorbeerstrauch angebracht. Auch dasmaulthier dürfen wir aus dem cultusbrauch ableiten; jederleser der Aristophanischen Frösche (v. 159) kennt den ovo?CCfUlV pu0Tf|pia.

Diese Übertragungen werfen ihrerseits wieder licht zu-rück auf die göttersage. Durch Oppian kennen wir eine ge-stalt der sage von Dionysos jugend, die trotz der deutlichenspuren jüngerer eingriffe sich in ihrem kerne als echt er-weist und zweifellos aus landschaftlicher Überlieferung, wohlEuboias aufgenommen ist ä . Ino mit ihren Schwestern Autonoe

einer kline ausgestreckt (aber ohne kline) ruhend, den bis auf dielinke Seite entblössten Oberkörper an den hals des thieres lehnend,auf einem maulthiere, dem ein nackter, den köpf zurückwendender,doppelflöte blasender Satyr vorausgeht; der gott hält in der 1. denthyrsos, in der r. ein rhyton. Ganz ähnlich erscheint der bärtigeDionysos auf den esel gelagert auf münzen von Mende, s. Cat. Brit.Mus., Thrace p. 81 n. 4, p. 83 n. 10.

1 Hochzeitszug des Dionysos auch auf einem Vaticanischenrelief Mus. P. Clem. IV t. 24.

2 Oppian Kyneget. 4, 237 ff. Dahin gehört die rationalistischeauflösung der sage von der zweiten gehurt des Dionysos aus demSchenkel (pr;p6<;) des Zeus v. 241: Ino und ihre Schwestern bergendas göttliche knäblein zunächst auf dem berge Mr)POC hei Theben;schon frühe hatte sich an den indischen berg Mr;<; (eigentlichMr;pöv), den man mit dem dortigen Nysa in Verbindung setzte, dieserationalisierende sage angesetzt s. Diodor II 38, 4 Curtius VIII 10(35), 12 Mela 3, 7 p. 277 Gron., Plinius n. li. 6, 79 Arrian Indic . 1, 6Eustath. zu Dion, perieg. p. 313, 23.