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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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IV Schiff

Hier sind zwei selbständige bilder vereinigt. Ausserdem esel, der die truhe mit dem göttlichen knaben trägt,wird auch das schiff und die Seefahrt aufgeboten, bei dersich wunder vollziehen, ganz entsprechend dem abenteuer mitden Tyrrenischen Seeräubern.

In der that ist, so befremdend die behauptung zunächstklingen mag, dies abenteuer ursprünglich ein bestandtheil dersage von der epiphanie des Dionysos, wie sie auf der inseiNaxos und ähnlich wohl auch auf Euboia erzählt wurde. Daszeigt sich in der Naxischen fassung, die uns aus einem Samm-ler dortiger sagen, Aglaosthenes 1 , erhalten ist. Tyrrenischenschiffen war das Dionysosknäblein anvertraut worden, um esmit seinen begleitern nach Naxos überzusetzen, wo die Nym-phen als ammen das kind in pflege nehmen sollten. Auf dersee kommt den Schiffern der gedanke, an dem knaben sich zubereichern, und sie gedachten dem schiffe einen anderen kurszu geben. Dionysos merkt es und heisst seine begleiter ihrehandpauken, cymbeln und flöten erklingen zu lassen. Bakchi-sche Schwärmerei ergreift die Schiffer, wild und immer w'ildertanzen sie und springen zuletzt im taumel über bord, um imSprunge zu delphinen zu werden. Uebergangen sind in die-sem berichte die sonst 2 regelmässig hervorgehobenen Offen-barungen Dionysischer macht: die über das schiff sich wöl-bende wunderrebe, der am mast sich emporschlingende epheu,der auf dem deck hervorsprudelnde wein; des bezauberndenflötenspiels, das dieser Naxischen Version eigenthümlichscheint, gedenkt auch das Apollodorische handbuch. Wich-tig ist, dass auch in der landläufigen fassung der sage dasursprüngliche ziel der fahrt, Naxos , nicht vergessen ist 3 . Jene

1 Bei Hyginus poet. astr. 2, 17 (Roberts Erat. p. 161 vgl. p. 8 ).

2 Hom. hymn. 7, 35 ff. Nonnos Dion. 45, 141 ff. Vgl. Apd. in 5, 3Ovid metam. 3, 664. Eine geseheide deutung des abenteuers findeich im schol. Oppian. Halieut. 1, 649 p. 295, 18 Buss. puSeüexai ötioi beXcpive? flaav övbpe? oivoitpäxcu, 616 x 1 6 tgirvuov xöv otvov öba-ri,ßou\rj toO Aiovuffou gexeßXfiöilcrav ei? ixööa?.

3 Apd. Ill 5, 3 Ovid met. 3, 636 Hyginus fab. 134.