214 VI Mehrdeutigkeit mythischer bilder
wie der gott selbst. Wir durften das schnitzbild des Dio nysos in der truhe des Eurypylos und ähnliches auf dieselbestufe stellen, wie die sagen von dem götterknäblein, das inder truhe über die wasser getragen wird.
Dass das neugeborene götterknäblein in den himmelgetragen wird, ist bei Dionysos eine bezeugte (s. s. 167, 8)Variante zur landung in der truhe. Das land der götter undder aufenthaltsort der seligen sind, wie wir gesehen (s. 201),nicht nur unter demselben bilde angeschaut worden, sondernursprünglich eins. Kein wunder also, dass auch die fahrtins jenseits durch dieselben bilder veranschaulicht wurde,welche für den lichtaufgang ausgebildet waren. Thatsächlichsind, wenn wir von dem alterthümlichsten bilde der truheabsehen, die meisten bilder, die wir betrachtet haben, auchin diesem sinne verwendet worden 1 . Selbst Hermes, der denneugeborenen gott zu den Olympiern oder zu göttlichen ain-men trägt, wiederholt sich in dieser reihe; ja als 'seelen-geleiter’ ist er uns weit geläufiger.
Am deutlichsten tritt diese umwerthung bei dem bildedes schiffs und des fisch es hervor. Das urbild der schiffe,das erste aller fahrzeuge, das gezimmert worden, ist für diegriechische sage die Argo, welche den Iason und seine be-gleiter in das land des Aietes brachte, 'wo der schnelle He lios seine strahlen in goldener kammer auf bewahrt’ (Mim-nermos fr. 11, 5). Ob die gleiche beziehung auch für diefahrten des Odysseus und für die damit nah verwandte wun-derfahrt des h. Andreas zum menschenfresserland vorauszu-setzen ist, lasse ich dahingestellt. Aber die fahrt über dengötterstrom Okeanos zum lande der seligen liegt, wie Welc-ker überzeugend nachgewiesen hat, deutlich vor in den Vor-stellungen, welche noch die Odyssee mit den Phaiaken ver-bindet 2 ; es verdient beachtung, dass der attische eigennamePhaiax einen mythischen hintergrund hatte in dem heros
1 vgl. CFredrich, Sarkophagstudien in den Naehr. der Gött. ges.der wissensch. 1895 s. 107 f. 98 ff. Berl. philol. wochenschr. 1898 s. 223.
2 Welcker Kl. sehrifton 2,1—79 (Rhein , mus. II f. bd. 1, 219ff.).