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Band I. Molasseland und Juragebierge.
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Der Bergsturz von Goldau.

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Ein großer Nagelfiuhfelsrutsch hat beiSonnenhalb Ried östlich hinter dem Dörfchen Ennetbühi('Foggenburg) in unbekannter Vergangenheit stattgefunden und das Tal so verriegelt, daß ein aus-gedehntes Ried (Riedbad) hinterhalb entstanden ist. Der Riegel ist erst teilweise klusenförmigvom Lauternbach durchschnitten. Die Form des Schutthaufens und sein Hinaufbranden am südlichentgegenstehenden Abhang beweisen, daß die Bewegung zu großer Sturzgeschwindigkeit sich ent-wickelt hatte. Nähere Untersuchung fehlt. In die gleiche Kategorie gehört der Bergsturz von Goldau,den wir gleich kurz besprechen werden.

Viel zahlreicher sind die Spuren von Felsrutschungen mit langsamer lang-athmiger Bewegung. Von Sattel bis Steinerberg ist der Roßbergabhang voll wulstigerNagelfluhtrümmerfelder, die durch solche Bewegungen entstanden sind. An der Rigi sind sie häufig. Sie finden sich schon nahe der NE-Kante unter Rigikulm, fernervon Scheidegg. gegen Gersau Und Vitznau hinab. Einzelne schiefe Schichtflächen imNagelfluhgebiet (z. B. Abhang Senteberg Vorderlützelau an der Rigi ) sind durchAuflösung einer oberen Felsbank in Situ unter langsamer Abwanderung der Blöckezu einer Art Felsenmeer geworden. (Leo Wehrli , Zeitschr. f. prakt. Geol. 1910).

Der Bergsturz von Goldau (Fig. 70a).

Der größte Bergsturz in der Schweiz in historischer Zeit ereignete sich am 2. IX. 1806abends 4 8 / 4 Uhr vom Roßberg-Gnippc abbrechend. Er zerstörte die Dörfer Röthen, Goldau , Busingenund teilweise Lowerz. 457 Personen, 323 Stück Vieh fanden dabei den Tod, 110 Wohn-häuser wurden vernichtet. Alle zeitgenössischen Beobachtungen darüber wurden von Dr. CarlZay von Arth gesammelt und in einem Buche herausgegeben, das eine Fundgrube von merkwürdigenEinzelheiten des großen Naturereignisses wie der Psyche und merkwürdiger Schicksale der Menschenist. Der Bergsturz von Goldau ist die Fortsetzung von prähistorischen und althistorischen Fels-rutschungen. Die Bewohner waren von der Gefahr längst überzeugt. Allein gerade wennman 30 Jahre lang sagen hörte:Der Berg stürzt einmal herunter, so ist es um so schwerer,nun plötzlich einzusehen, daß die nächste Minute damit Ernst macht. Wie bei allen großen Berg-stürzen, so hat es auch hier an Vorboten nicht gefehlt weder an subjektiven Ahnungen (mehrereMenschen haben, von solchen getrieben, den Ort einige Tage vorher verlassen)', noch an objektivenErscheinungen.

Die Jahre 1804 und 1805 waren sehr naß, ebenso der Anfang 1806. Unerhörte Schneemasseawaren gefallen, VII und Ende VIII waren regnerisch. Oben am Berge beachteten Hirten undHolzhauer tiefe Risse im Boden, die mit Wasser gefüllt waren und sich von Tag zu Tag erweiterten.Im Walde hörte man hie und da ein Knallen von zerreißenden Wurzeln. Gegen Mittag des 2 . IX.da die Regenwolken wichen, sah man von unten am Gnippe, der Westecke des Roßberges, Risseim Boden, Erde wurde aufgestoßen und überschoben. Felsblöcke lößten sich und rollten in dieWälder herab. Von nachmittags 2 Uhr an hörte man fast beständiges Krachen und kleine Staub-wolken erhoben sich aus dem Gelände. 4 l / 2 Uhr trennte sich aus der Steinebergerfluh, das ist amuntersten Teil des Ostabrißrandes ein besonders großer Felsklotz heraus und es öffnete sich langsamder östliche Randabriß weit hinauf sichtbar. Nach einigen Minuten entstund ein heftiger Knall,die Tannen schwankten, Scharen von Vögeln flüchteten aus den Wäldern nach Westen. Oben schienalles lebendig zu werden. Felsriffe, Waldstreifen sanken durch- und übereinander. Dann folgte einfurchtbares Dröhnen, ein schnelles Hinstürzen wie ein trüber Wassersturz und aufwirbelnd undvon Lichtschlägen durchzuckt eine dunkelbraune Staubwolke, die alles verhüllte. Unten: Häuser,Bäume, Menschen vom voraneilenden Windschlag Verblasen und wirbelnd durch die Luft getrieben,dann vom Bergsturz erreicht und verschüttet. Der linke Teil des Trümmerstromes wendet sich inden Lowerzersee und schleudert das Wasser fort. Mehrere Häuser hoch bäumt es sich, überschlägtdie Ufer und reißt im Rückgang Gebäude und Menschen in den See hinein, überschlägt die InselSchwanau , zerstört einen Teil von Seewen und trägt die Überschwemmung bis Brunnen hinaus.Ein rauschender Hagel von Gesteinssplittern und ein Staubregen bis über den Zugersee hinausüberzieht die weite Umgebung mit gelbrotem ödem Kleid.