Band 
Dritter Band: 1861 - 1890.
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174. An Marie Exner, 3. Januar 1874.

Bischofsornat aus mediceischer Zeit! Das Bäumchenst hatsich gut gehalten, nur ein paar Fläschchen sind leer ange-kommen mit eingedrückten Bäuchlein. Ich sagte: „Kommt Ihrmir so, ihr Esel? Was soll ich jetzt aus Euch entnehmen,ihr schlechten Sachwalter?" Aber sie brachten nicht die ge-ringste Entschuldigung vor. Die Mehrzahl ist indessen ganzgeblieben, dank der rührend eigenhändigen Verpackung.

Gewiß haben Sie das Schriftliche von den drei Brüdcrnstfür mich zusammengebettelt wie das liebe kleine Prinzeßchenim Märchen, das im Wald einen verfrornen alten Kohlen-brenner fand und nach Hause lief und seinen Brüdern dasVesperbrot für ihn abbettelte. Drei gaben es ihm, und nurder vierte konnte nichts geben, weil er gerad auf der Jagdabwesend war, um die vielen Raubvögel zu schießen, welchezu jener Zeit die Luft verfinsterten, so daß man mit vielerKunst ein Loch am Himmel suchen mußte, um sie nur fehlenzu können.

Und wie gütig und langmütig und fein erlösen Siemich von meiner Ohrring-Marotte! Zwölf Monate braucheich aber nicht, da ich sie schon lang wieder weggelegt hattest.Ich schicke sie also gleich jetzt mittelst eines fingierten Bücher-Paketchens aus jener Zeit, da die Ringe getragen wurden,und bin froh, daß ich sie jetzt verschleppt und gut aufge-hoben habest. Das Psalmenbuch der Großmutter, in welchemnoch Blumenblätter aus dem vorigen Jahrhundert lagen,

') Christbäumchen mit einigen Schnäpsen behängen.

2) Adolf, Sigmund und Franz Exner.

°) S. o. S. 102.

*) Die Ohrringe waren verpackt in K. W. Ramlers poetischeBlumenlese auf das Jahr 1775, iu bereu Jnnerm ein Loch für dieSchnuickgegenstände angebracht wurde.