184 194. An Ferd.Weibert, Goeschensche Buchhandlung, 20. Mai 1875.
194. An Ferdinand Meidert, Goeschensche Buchhandlung,
Hochgeehrter Herr! Rodenberg ist noch nicht im Besitzder neuen Novellen. (Es handelt sich um ein Konvolntkleiner Geschichten, die aneinander hängen und zwei Nummernder „Rundschau" in Anspruch nehmen.) Ich hoffe aber, daßsie bis zum Herbst erschienen sein können, so daß sie, mitdem „Fähnlein der sieben Aufrechten" vereinigt, spätestensnach Neujahr als Buch kommen können. Da alle diese Ge-schichten in Zürich spielen und auf wirklichen Personen undGeschehnissen beruhen vom dreizehnten bis neunzehnten Jahr-hundert, so habe ich vor, sie „Zürcher Novellen" zu taufen,insofern das nicht unpraktisch ist, da vielleicht eine solcheSpezial- oder Lokalbezeichnung für weitere Kreise zu wenigInteresse weckt.
Wenn Ihnen eine neue Auflage oder Ausgabe der„Leute von Seldwyla" möglich würde, so würde mir dasallerdings ein Zeichen sein, daß sich die Erfolgseite meinerSchreiberei langsam anfängt zu drehen'). Wenn ich auchkein Geldvielschreiber geworden bin und dessen mich nurfreuen kann, da es mit mir jetzt, wie mit anderen, schon
') Freiligrath hatte über den vierten Band der „Leute von Seld-myla" an Weibert u. a. folgendes geschrieben: „Keller hat seinlanges Zaudern wirklich reichlich gut gemacht durch den herrlichen In-halt des Buches. Besonders Metegew ist eine wahre Perle. Eswird einem wohl dabei in Lust und Weh. Es ist wunderbar/ wieKeller die Herzen zu ergreifen versteht, wie er mit den einfachsten undschlichtesten Mitteln die höchsten Erfolge erzielt."