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Geschichte der Physik : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin / J. C. Poggendorff
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Accademia del Cimento.

Die im J. 1603 vom Fürsten Cesi zu Rom gegründeteAccademia dei Lyncei oder Luchs-Akademie, weil sie sichden Luchs oder vielmehr dessen scharfes Auge zum Symbolgenommen hatte, in welcher auch Galilei einige Vorträgehielt, war nicht allein auf Förderung des Naturstudiums,sondern auch auf die der Kunst und Literatur gerichtet.

Noch weniger kann die Accademia della Crusca zuRom für eine physikalische Gesellschaft gelten, obwohlTorricelli darin einige Vorlesungen gehalten hat. Denndiese Akademie hatte sich die Reinigung der italienischenSprache, die Säuberung derselben von der Kleie (Crusca)zum Hauptgegenstand gesetzt. Daher finden wir dennauch auf dem Titel der 1715 gedruckten VorlesungenTorricelli’s eigends von den Censoren dieser Akademieattestirt, dafs sich keine Sprachfehler darin befinden! l )

Accademia del Cimento.

157. Erst 15 Jahre nach Galilei’s Tode gestaltetensich die Umstände zu Florenz so günstig, dafs wieder aneine physikalische Gesellschaft oder Akademie gedachtwerden konnte. Was speciell zu derselben Veranlassunggab, ist nicht genau bekannt, aber im Allgemeinen lassensich die gründenden Elemente leicht angeben. In Florenz lebte noch eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Männern,die Galilei und Torricelli persönlich gekannt, den Unter-richt derselben genossen hatten, und dadurch zur Nach-eiferung angespornt worden waren. Dazu kam, dals derGrofsherzog Ferdinand II., unter dem Galilei die merk-würdigen Begegnisse mit dem römischen Stuhl erlebt hatte,sowie dessen Bruder der Fürst Leopold von Medici denphysikalischen Wissenschaften zugethan waren. Beide sollensogar, wenn man den gleichzeitigen Schriftstellern trauendarf, verschiedene Instrumente theils erfunden, theils ver-bessert haben. Was war also natürlicher, als dafs unterihrer Aegide eine Akademie zu Stande kam, welche aus-

1 ) Kästner, Gesch. d. Math. III, 461.