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Geschichte der Physik : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin / J. C. Poggendorff
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dals er zeitlebens seinen gröfsten Stolz darein setzte, sichden letzten Schüler Galilei’s nennen zu dürfen.

Nach Galilei’s Tode 1642 fand Viviani in Torricelli einen zweiten Lehrer und Freund, dein er in seinen ex-perimentellen Arbeiten an die Hand ging, wie ich diesschon bei Gelegenheit der Erfindung des Barometers be-merkt habe.

In einem Alter von kaum 23 Jahren begann Vivianisich durch eigene Forschungen hervorzuthun. Es sindfreilich Forschungen mathematischer Natur, die uns fernerliegen, aber die Umstände, welche sie begleiten, habendoch so viel Interesse, dass ich mir nicht versagen kannsie hier als ein Beispiel von dem Scharfsinn Viviani’skurz auseinander zu setzen.

Das berühmte Werk des Apollonius von Perga inPamphylien (240 v. Chr.) über die Kegelschnitte, bekannt-lich ein Meisterwerk der Geometrie der Alten, lernten dieabendländischen Christen erst gegen die Mitte des XV. Jahr-hunderts durch arabische Manuskripte kennen. Regioniontauus(Joh. Müller), unser Landsmann, beabsichtigte eine latei-nische Uebersetzung, ward aber durch seinen frühen Tod1476 daran verhindert. Nunmehr besorgte der VenetianerMemmius eine schlechte Uebersetzung, die endlich imJ- 1566 durch eine bessere von Commandino (§ 54) ersetztwurde. Es waren aber nur 4 Bücher, die man übersetzthatte, weil das arabische Manuskript deren nicht mehrenthielt; man wufste jedoch, dafs Apollonius acht Büchergeschrieben hat. Dies erregte unter den Mathematikern desXVI. Jahrhunderts die Begierde, durch eigene Forschungendie fehlenden Bücher zu ersetzen.

Einen ersten Versuch der Art machte Maurolykns inMessina , dessen ich früher in der Geschichte der Optikehrenvoll gedacht habe, und nun war es Viviani, der siebdie Lösung dieser Aufgabe vorgenommen hatte. Währender sich im Stillen damit beschäftigte, brachte der Jesuitholius eine grofse Masse arabischer Manuskripte aus demOrient nach Florenz , und darunter auch, wie er selbst im