364
Mitglieder der Acc. del Cimento.
die Lösung bald finden würden. Darin hatte er sich dennauch nicht geirrt, denn sehr bald wurde die Lösung derAufgabe gefunden von Leibnitz, Jakob Bernoulli inDeutschland, vom Marquis de l’Höpital in Frankreich , undvon Wallis sowie David Gregory in England. Diese Lö-sungen waren insgesammt vollständig und zum Theil sehrallgemein, aber alle wichen an Eleganz vor der, welcheViviani im J. 1692 in einer kleinen Schrift zu Florenz veröffentlichte.
Es würde mich zu weit führen, wenn ich alle Arbei-ten und Begegnisse Viviani’s in Extenso mittheilen wollte;ich will daher nur erwähnen, dafs er im J. 1662 vomGroisherzog Ferdinand II. den Auftrag bekam das Val diChiana an der Gränze des Kirchenstaates zu untersuchen,und Vorschläge zur Entwässerung desselben zu machen.Viviani begegnete in diesem Unternehmen dem berühmtenAstronomen Domenico Cassini , der von Seiten des Papsteszu gleichem Zwecke abgesandt war. Viviani’s Bericht istnoch vorhanden, er scheint aber entweder nicht zuläng-lich oder nicht ausführbar gefunden zu sein, denn bis indie neueste Zeit ist die Aufgabe, den Versumpfungen jenesThaies und den Ueberschwemmungen des Chiana-Flussesein Ziel zu setzen, wiederholt Gegenstand der Unter-suchung gewesen.
Im J. 1666 wurde Viviani erster Mathematiker desGrol'sherzogs und dadurch Nachfolger Galilei’s und Torri-celli’s, in welcher Stellung er bis an sein Ende verblieb,ebenso geliebt von denen, die ihm näher standen, alsgeachtet und geehrt vom Ausland. Ein Zeugnifs hiervongiebt seine Erwählung zum auswärtigen Mitglied sowohlder Royal Society in London , als der Pariser Akademieder Wissenschaften, welcher letzteren Ludwig XIV. nocheine Pension hinzufügte.
Viviani benutzte diese Pension auf eine Weise, dieseinem Herzen grofse Ehre macht. Er liei's damit in Flo-renz ein Haus erbauen, welches bis auf die Inschrift, dieseinen Dank gegen den königlichen Geber ausdrückte, ein