Mitglieder der Acc. del Cimento.
363
brachten Manuskript nicht. Dasselbe enthält, wie obenerzählt, nur die sieben ersten Bücher, das achte ist nochheutigen Tages für uns verloren.
*"" Indefs unternahm Viviaui eine ähnliche Arbeit in Betreffeines Werkes, das Aristaeus, ein Zeitgenosse Euklid’s , etwa300 v. Chr. unter dem Titel: De locis solidis geschriebenhat und von Pappus genannt wird, aber nicht auf uns ge-kommen ist. Es war dies sogar der erste Versuch Viviani’sauf dem Gebiete der divinatorischen Geometrie, den erschon in seinem 23. Jahre begann, aber durch andereStudien und Geschäfte davon abgehalten, erst im spätenGreisesalter wieder aufnahm, und das Werk im J. 1701wirklich vollendete. Auch diese Arbeit legte ein glän-zendes Zeugnils von Viviani's Kenntniis und eleganterBehandlung der Geometrie ab, allein da bisher das Ori-ginalwerk von Aristaeus unbekannt geblieben ist, so kannman nicht beurtheilen, in wie weit er die Ideen des altenGeometers errathen hat.
Seine Vorliebe für die Geometrie der Alten und seinegrofse Gewandtheit in derselben hat Viviaui noch in einemdritten Fall bekundet, der sehr dazu beigetragen hat,seinen Ruf unter den gleichzeitigen Mathematikern desAuslandes zu erhöhen.
Unter der pseudonymen Unterschrift:
a Pio Lisci pusillo geometra ,der Versetzung von
a postremo Galilei discipulo,gab er folgende Aufgabe:
Es habe im alten Griechenland einen der Geometrie{geheiligten Tempel gegeben, der sei mit einem halbkugelför-migen Dom überwölbt gewesen , und in diesem Dome habeneich vier Fenster mit solcher Kunst ausgeschnitten befunden,dafs der Rest der Oberfläche genau quadiirbar gewesen sei.
Viviaui wandte sich mit dieser Aufgabe hauptsächlichau die neueren Analysten, obwohl er, wie er sagte, keines-wegs zweifle, dafs sie durch ihre geheime Kunst, womiter den damals eben erfundenen Infinitesimalkalkul meinte,