Buch 
Geschichte der Physik : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin / J. C. Poggendorff
Entstehung
Seite
603
JPEG-Download
 

Geschichte der Uhren.

603

Erst 13 Jahre später in seinem berühmten Werk Horo-logium oscillatorium, welches im J. 1673 erschien, undwelches man nicht verwechseln darf mit der kleinenSchrift von 1658, die blofs den Titel Horologium führte,machte er diese interessante Entdeckung bekannt, von deres sich freilich späterhin zeigte, dafs sie grade keinenpraktischen Werth besitzt. Die Eigenschaft, welche ersuchte, um die Ungleichheit in der Amplitude oder Schwin-gungsweite seiner Pendel zu berichtigen, fand er an derCykloide oder Radlinie, d. h. an der Kurve, die einPunkt am Umfang eines Rades beschreibt, wenn es aufeiner graden Linie fortrollt.

Er fand, dafs auf dieser Kurve ein jeder Bogen, seier grofs oder klein, in gleicher Zeit durchfallen werde,weil die beschleunigende Kraft an jedem Punkt der Kurvesich verhält wie der noch zu durchlaufende Bogen, vor-ausgesetzt dafs, wie es an demselben Beobachtungsortwirklich der Fall ist, die Schwerkraft an allen Punktender Kurve gleiche Richtung und gleiche Stärke hat.Wegen dieser Eigenschaft nannte er die Cykloide: Lineatautochrona oder schlechthin Tautochrone. Zugleichentdeckte er noch eine zweite Eigenschaft an der Cykloide,nämlich die, dafs sie durch Abwicklung wiederum eineCykloide giebt, oder anders gesagt, dafs die Cykloide dieEvolute ihrer selbst ist. Hnyghens ist überhaupt derUrheber der Theorie der Evolution oder Abwicklung derKurven, die er in seinem Horologium oscill. freilich nachdem Styl der älteren Geometrie auseinander setzte.

Von diesen beiden Eigenschaften machte er nun einesinnreiche Anwendung auf das Uhrpendel. Er formtezwei cykloidische Bleche, schraubte sie oben an einemfesten Querriegel zusammen und liefs zwischen beideneinen Faden herabgehen, an welchem er das Pendel auf-hing. Letzteres wurde umfafst von der Oese einer Stange,die an der horizontalen Spindel safs, in deren Lappen dieZähne des Steigerades vom Räderwerk eingriffen. BeimSchwingen dieses Pendels mufste sich nothwendig der