Buch 
Geschichte der Physik : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin / J. C. Poggendorff
Entstehung
Seite
608
JPEG-Download
 

608

Geschichte der Uhren.

gethan hat x ). Van S winden hatte Gelegenheit den reichenNachlafs von Huyghens an Manuskripten und Briefen, derzu Leyden auf bewahrt wird, zu durchmustern, und da-durch sah er sich in den Stand gesetzt, jene Anklage Punktfür Punkt als unbegründet nachzuweisen; ich will einigesdaraus hervorheben.

Von Briefen Galilei’s an Beaugrand giebt es in dergedruckten Ausgabe seiner Werke nur einen, datirt vomNovember 1633, wo er kurz sagt, er habe eine genaue Uhr(giusto orologio) verfertigt, die nicht nur in einer Stunde,sondern seihst in einem Tag und in einem Monat zu keinemFehler von einer Sekunde Anlals gebe, ohne übrigens dieUhr im Geringsten zu beschreiben. — Ob noch andereBriefe an Beaugrand vorhanden sind? aber schwerlichkönnen diese mehr enthalten, als andere, die Galilei umsJ. 1636 durch Vermittlung von Deodati in Paris an ver-schiedene Personen in Holland sandte, als er damit um-ging sein Verfahren, die Meereslänge durch die Jupiter-trabanten zu finden, den General - Staaten in Holland zuverkaufen. Es sind Briefe an Reaal, den ehemaligen Gou-verneur des holländischen Ostindiens, an den berühmtenHugo Grotius , an Hortensius (Van den Hove), Prof, derMathematik zu Amsterdam u. Andere. Hortensius wurdevon den General-Staaten erwählt, zu Galilei zu reisen, umdessen Vorrichtungen in Augenschein zu nehmen, wardaber durch seinen 1639 erfolgten Tod an dieser Reiseverhindert (§ 115).

In den genannten Briefen beschreibt nun Galilei seinenOrologio oder Oriuolo ganz deutlich, und daraus geht her-vor, dafs diese Uhr ein blofses Pendel war in Gestalt einesKreissegments von 12 bis 15° und 16 bis 24 Zoll Radius,welches er auf einer Axe von Stahl mit scharfer Schneideschwingen liefs. Ebenso enthalten die Briefe, welcheDeodati allerdings im J. 1637 an Huyghens’ Vater in Be-

*) Edinb. phil. Journ. VI, 196; VII, 35 aus den Denkschriften desniederländ. Instituts.