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Doppelbrechung und Lichttheorie.
Wenn beide Rhomboeder eine parallele Lage hatten,also ihre Hauptschnitte *) parallel waren, so gingen dieStrahlen aus dem ersten Rhomboeder ungeändert in daszweite; der ordentliche Strahl o im ersten wurde auch einsolcher im zweiten, und ebenso der aufserordentliche a imersten Rhomboeder ein a im anderen. Wurden aber dieIlauptschnitte winkelrecht auf einander gestellt, so wardaus dem o des ersten Rhomboeders ein a im zweiten, undaus dem a des ersten ein o im zweiten Rhomboeder, wieman aus den Ablenkungen ersehen konnte, welche dieStrahlen erfuhren, wenn man die Rhomboeder etwas weitauseinander rückte. In jeder Lage zwischen diesen zweiStellungen wurden dagegen beide Strahlen des ersten Rhom-boeders im andern in ein o und a zerlegt, so dafs vierBilder entstanden meistentheils von ungleicher Helligkeit,die überdies sich änderte mit der weiteren Drehung derHauptschnitte zwischen ihrer parallelen und senkrechtenStellung.
Huyghens vermochte nicht sich diese sonderbare Er-scheinung zu erklären, er begnügte sich mit ihrer faktischenDarlegung, und überliefs die Aufhellung der Folgezeit.Ueber 130 Jahre stand sie da als ein vereinzeltes Kurio-sum, im Ganzen wenig beachtet und noch weniger studirt,bis endlich im J. 1810 der französische Artillerie-OberstMalus an dem unter einem gewissen Winkel reflektirtenLicht die Eigenschaft auffand, die er Polarisation nannteund welche, wie sich bald ergab, dieselbe ist, welche dievon Huyghens am Kalkspath beobachteten Erscheinungenhervorruft.
Es war übrigens am Kalkspath nicht allein, an wel-chem Huygliens die Doppelbrechung untersuchte, er studirtesie auch am Bergkrystall, aus dem er Prismen in ver-
’) Hauptschnitt ist die Ebene durch die kurze Diagonale einerRhomboederfläche und die gegenüberstehende Kante; in ihr liegt dieAxe des Krystalls. Das Wort Hauptschnitt, sectio praecipua, sectionprincipale, stammt von Huygliens her, desgl. refractio consueta, vulgarisund refractio insolita.