Buch 
Geschichte der Physik : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin / J. C. Poggendorff
Entstehung
Seite
655
JPEG-Download
 

Bartholinus. Römer.

655

verblieb er bis zum J. 1705, wo er zum Bürgermeister vonKopenhagen erwählt wurde, und damit der Wissenschaftentsagte. Sein Nachfolger an der Sternwarte war Horrebow,der auch Römer’s Leben beschrieben und seine Werkegesammelt hat.

Römer hat sich durch mehrere Arbeiten vortheilhaftbekannt gemacht, so zunächst durch eine 1675 in derpariser Akademie gelesene Abhandlung, worin er zeigt,dal's die vortheilhafteste Gestalt für die Zähne von Räder-werken diejenige einer Epicykloide sei; dann durch Ver-vollkommnung der astronomischen Beobachtungsmethoden.Am berühmtesten ist er indefs durch die Entdeckung derFortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichts geworden, eineEntdeckung, die ihn zugleich mit den Arbeiten von Huyghensin Verbindung setzte. Zu dieser Entdeckung gab eine Reihevon Beobachtungen der Verfinsterungen des ersten Jupiter-trabanten Anlal's, die Römer gemeinschaftlich mit Dom.Cassini in den Jahren 1672 bis 1676 anstellte.

Römer und Cassini machten die Bemerkung, dal's dieZeit zwischen zwei aufeinander folgenden Eintritten desersten Trabanten n in den Schatten o des Jupiters «/,Fig. 34, oder den Austritten aus demselben, periodischenSchwankungen unterliege; dal's sie der berechneten von42 h 28'42" gleich sei, sobald sich die Erde in A oder CFig. 34. auf ihrer Bahn AB CD um die Sonne S befand,

a jl re dals aber diese Dauer verringert wurde, wenn

/ fV die Erde sich in der Hälfte CDA ihrer Bahn

/ \ dem Jupiter J näherte, und dal's sie dagegen

I \ vergröfsert wurde, wenn die Erde sich von J

d \ entfernte. Das Maximum der Verringerung fand

etwa bei D statt und betrug 14 Sekunden, undl S J n ebenso viel betrug das Maximum der Vergröl'se-<7 rung bei B.

Cassini kam hierdurch auf die Vermuthung, dal's dasLicht wohl einige Zeit gebrauchen müsse, um von demJupiter zu uns zu gelangen, und sprach sie im J. 1675