Buch 
Geschichte der Physik : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin / J. C. Poggendorff
Entstehung
Seite
731
JPEG-Download
 

Zeitgenossen NewtonV.

731

Graliam Uhren mit solchen rostförmigen Pendeln, und trugso dazu bei seine Quecksilber-Kompensation in Vergessen-heit zu bringen, obwohl diese keineswegs schlechter ist,vielmehr in neuester Zeit von mehreren Astronomen fürvorzüglicher gehalten wird als die Rost-Kompensation.

297. Als Harrisoll im J. 1728 nach London kam,hatte er nicht sowohl sein Rostpendel im Auge, als viel-mehr die Lösung einer anderen freilich damit verwandtenwichtigen Aufgabe, die seit beinahe 200 Jahren die Astro-nomen und Seefahrer beschäftigt, und damals wenige Jahrezuvor eine neue Anregung erhalten hatte. Es war nämlich dasfür die Schifffahrt so wichtige Problem, die geographischeLänge oder den Meridianunterschied auf dem Meere zufinden. Ich habe schon einiges davon bei Gelegenheit vonGalilei angeführt (§ 115), und will hier die Geschichte desGegenstandes noch einmal kurz zusammenstellen.

Zur Lösung des Problems der Meereslänge bieten sichim Allgemeinen drei Iliilfsmittel dar:

1) die Bewegung der Himmelskörper;

2) der Gang einer Uhr;

3) die Verschiedenheit der magnetischen Deklinationvon Ort zu Ort.

Ueber das erste dieser Mittel war bereits § 115 dieRede. Die zweite Idee, die Meereslänge durch eine Uhrzu finden, hatte zuerst ein Holländer Reinerus Gemma Frisius geb. 1508 zu Dockum in Friesland und gest. 1555 zu Lö-wen, wo er als Arzt und Mathematiker in grofsem Ansehnstand. Er sprach diesen Gedanken aus in dem Werk:De principiis aatronomiae , Par. 1547. Begreiflicher Weisekonnte aber an eine Ausführung desselben nicht gedachtwerden, da die Uhren damals noch viel zu unvollkommenwaren. Indels ging die Idee nicht verloren, Metius, Riccioli,Varemus, Hooke und lluyghens, sogar Leibnitz nahmen siewieder auf.

Huyglieiis schrieb, nachdem er seine Pendeluhren er-funden, eigends eine Anleitung: Brevis imtitutio de usu