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Geschichte der Physik : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin / J. C. Poggendorff
Entstehung
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811
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Akustik.

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Merseime hat viel Unrichtiges über die höheren Tönegesagt, aber Descartes , dem er die Beobachtung mittheilte,äufserte in seinen Briefen 75 und 106 sehr richtig, die Tönemöchten dadurch entstehen, dafs die Saite, während sieschwingt, in Abtheilungen zerfalle, die für sich ihreSchwingungen vollbrächten. Er irrte aber darin, dafs erglaubte, eine solche Zerfällung der Saite und solches Bei-sammensein mehrerer Schwingungsarten fände sich nurbei einer falschen Saite x ).

Uebrigens möchte man glauben, dafs nicht einmalMerseime der erste Entdecker der harmonischen Töne ist;denn lange vor ihm gab es bereits ein Instrument, daswie gemacht dazu scheint diese Töne hervorzubringen, ob-wohl man vielleicht über die Entstehung derselben nichtnachgedacht hat. Es ist dies die sogenannte Meer-trompete, erfunden in der Mitte des XVI. Jahrhundertsvon dem Italiener Marino oder Marigni, daher sie auchwohl Marigni’s Trompete genannt wird. Sie ist keineTrompete, überhaupt kein Blaseinstrument, sondern einSaiteninstrument, eine Art Monochord.

Die Meertrompete stellt eine hohle dreikantige an derBasis offene Pyramide dar, aus drei dünnen Brettern, derenoberes den Resonanzboden bildet; zu dem Ende wird dasInstrument horizontal gelegt, auf einer Kante ruhend.Nach der Spitze hin verläuft es in einen Hals mit einemWirbel, um welchen eine einzige Saite geschlungen ist,welche über einen Sattel und einen Steg geht, hinterwelchem sie befestigt ist. Der Steg ruht nur locker aufdem Resonanzboden, und dadurch bekommt der Ton derSaite etwas schnarrendes, trompetenartiges. ZwischenSattel und Steg sind Erhabenheiten, welche diesen Raumin aliquote Theile theilen. Wird nun die Saite mit demBogen gestrichen, und dieselbe sanft gegen eine der Er-habenheiten mit dem Finger gedrückt, wobei die Schwin-gungen nicht dürfen unterbrochen werden, so entstehen

) Chladui, Akustik, S. 206.