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gott, eine Personification des aufblühenden und sprießendenLebens von Feld und Wald, der übersprudelnden Kraft derüppigen Vegetation eines südlichen Klimas. Vor allem istdie Weinrebe durch ihre rasche Entfaltung und durch denfeurigen begeisternden Saft, welcher in ihr gezeitigt wird, einausdrucksvolles Symbol von dem Wesen dieses Gottes, demdeshalb vorzugsweise die Gabe des Weins und seine er-heiternden Wirkungen zugeschrieben werden. Im Frühjahrflehen die Menschen zum Himmelsgotte, daß er in der Feuchteseines Regens niedersteige und sich herablasse zur armenErde, mit ihr die Traube und den Wein zu zeugen; „erwird im Lenz mit Lust empfangen, der zarte Schooß quilltstill empor, und wenn des Herbstes Früchte prangen, springtauch das goldne Kind hervor." Das ist der schöne Mythusvon Semele und ihrer Liebe zu Zeus , die ja auch unserSchiller in einem Erstlingsversuche dramatisirt hat. ImHerbste wird die Traube abgeschnitten, und die Rebe, diesie geboren, leidet Schmerzen und Tod; aber bald versetztdie Kelterung die ganze Menschheit in fröhlichen Jubel undAusgelassenheit; denn ohne bäurische Neckerei und allerleiFastnachtsscherz ist kein Bacchusfest in alter so wenig wiein neuer Zeit zu denken. Von dem Jubel seiner Feier nannteman den Gott geradezu Jakchos, d. h. den Jauchzenden, undunter diesem Namen erscheint er einzig in den Mysterienvon Eleusis , innig verbunden mit den „großen Göttinnen".
Erntefest und Weinlese sind also die einfachen Grund-gedanken dieser alljährlichen großen Feste, von deren Be-gehung und Gebräuchen jedoch unsre Kenntniß aus leichtbegreiflichen Gründen ziemlich unvollständig und unsicher ist.Den Mysten gebot die Gottheit selbst Stillschweigen, undunsre Hauptzeugen sind spätre Schriftsteller, namentlichKirchenvater, die jedoch theils selbst nicht genau unterrichtetsein konnten, theils ein erklärliches Interesse hatten, dieDinge schief darzustellen und sie von vorn herein als dem