Buch 
Tagebuch über eine mit besonderer Beziehung auf Landwirthschaft unternommene Reise durch Bayern, Sachsen-Altenburg, Königr. Sachsen, Böhmen, Mähren und Oestreich / von Albert Holland
Entstehung
Seite
56
JPEG-Download
 

56

eine Lücke bauchte. Während hier Gesang undPredigt so schnell als möglich abgemacht wird undcs oft scheint,, als habe Geistlicher und Zuhörer nurEinen Zweck den, bald die Kirche zu verlassen,rrägt der sächsische Gottesdienst der äußerlichen Ver-ehrung des Allerhöchsten mehr Rechnung und sorg«,daß Gemüth und Seele zum Empfang der Lehredurch erhebende Wechsel-Gesänge, feierliche Gebete rc>mehr vorbereitet und empfänglicher gemacht werden.

Auf meiner Tour durch die Stadt machten sichmir das Augusteum, die Bürgerschule, der Johanms-Gottesacker, das französische Caffeehaus mit seinemComfort besonders bemerklich und noch jetzt bietetAuerbach's Keller dem dürstenden Musensohnseinen Labetrunk. Da ist noch neben einem Mem-bran d'schen Meisterwerk in Lxur» zu sehen, wieder arge Schwarzkünstler Faust diese heilige Hallen,auf einem Fasse reitend, verließ.

Des Nachmittags besah ich mir den Gerh ari-schen Garten. Unter den vielen Mausoleen, chinesi-schen Thürmen rc., die er besitzt, birgt ein kleinesHäuschen die Reliquien des am 19. Oktober 1813hier in der Elster ertrunkenen Fürsten Ponia-towski. Alles, was man in dem kleinen Raumsieht, trägt seinen Namen und sein Bild, selbst dieStickerei des Stuhl-Polsters ist bestimmt, es demMüden zu beweisen. Nunmehr folgte ich demZug der Menschen in's Rosenthal, wo sich dieLeipziger Welt an Schnaps, Caffee und Eis erholte,ein mir neues Seitenstück zu unsern Volksgärten.Im Theater wurde Abends Göthe's Egmont ge-geben.