396
Kap. XV : Kulturgeschichtliches.
in Dänemark liegen am Eingang eines Dolmen wirr durch einanderhalb benagte Menschen- und Hirschknochen, ein deutliches Zeichen;dass beide die Reste menschlicher Mahlzeiten sind. Einen ähnlichenFall führt Wohsaae von Borreby an. Auf dem Congress zu Brüssel berichtete Abb<$ Chierici von den Ausgrabungen, die er in einerHöhle der Gegend von Reggio angestellt. Er fand dort Menschen -und Thierknochen wirr durch einander und beide dieselben Spurender Verkohlung tragend. Die Höhle gehört der neolithischen Period ean. Unter den Abfällen fand man mehrere vorzüglich gearbeitet 6Gegenstände, Scherben mit der Hand gemachten Geschirrs, die Hälfteeiner Getreidemühle und bewundernswert geschliffene Serpentinäxte'Rkgnoli constatirte Aehnliches in den Höhlen Apuliens , Capellini aufder Insel Palmaria und bei Spezzia. Kein Zweifel, dass die alte®Bewohner Italiens Anthropophagen waren. Und das wird ja auchvon den alten Schriftstellern ausdrücklich bezeugt. Delgado berichtet;dass er in den Höhlen von Cesareda in Portugal Menschenknocbe®der Länge nach gespalten fand. Und ähnliche Zeichen von Can®'balismus traf Oapitän Burton hei Beith-Sahur in der Nähe vonJerusalem .
Widersprechender sind die Berichte, welche aus Belgien übe rAnthropophagie, die in der Steinzeit daselbst bestanden habe, he -kannt geworden sind. Dr. Spring hatte in Chauvaux eine AnzahlKnochen, fast ausschliesslich Frauen und Kindern gehörig, angetroft 6 ®'und neben ihnen Reste von Wiederkäuern, noch jetzt lebenden Arte®angehörig. Die Röhrenknochen waren aufgeschlagen, offenbar zu de®Zwecke, das Mark herauszunehmen, denn die kein Mark enthaltende®Knochen, menschliche sowohl wie thierische, waren sämmtlich u®verletzt. Bisweilen waren Menschen- und Thierknochen verkohlt. D ® 9wären in der That unwiderlegliche Anzeichen von Cannibalisni® 9 ’Andere Ausgrabungen in derselben Höhle von Chauvaux haben ind eSdeutlich bewiesen, dass hier eine Grabstätte sich befand. Die Sk 6 'lette lagen in regelmässigen Reihen neben einander, sämmtlich u ®verletzt, und ihre Steinwaffen lagen neben ihnen. Es bleibt unklarwie diese beiden Berichte zu vereinigen sind. In den Höhlen an d®Lesse, welche der Renthierzeit. angehören, fand Dupont allerding 9auch menschliche Knochen unter den Resten der Mahlzeiten, u ®^Aehnliches constatirte er in einer der neolithischen Epoche angebö®gen, also mit Chauvaux gleichzeitigen Höhle. „Aber,“ fügt er hin*®»„kein einziger der Knochen zeigt irgend eine Spur davon, dasseinem Kiesel oder einem Feuerstein Schläge gegen denselben gefüh^seien, in der Absicht, ihn aufzuschlagen. Sie sind bisweilen zel